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Spielekultur - Weltgesundheitsorganisation stuft zu viel Spielen als psychische Störung ein

Von Wladislav Sidorov - News vom 24.12.2017, 16:17 Uhr
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Die Weltgesundheitsorganisation hat Videospiel-Sucht als mentale Krankheit eingestuft. Zu viel Spielen sei stark gesundheitsgefährdend, so die WHO. Damit wolle man verstärkt über die Risiken aufklären.

Nach mehr als 10 Jahren Beobachtung hat die Weltgesundheitsorganisation beschlossen, dass zu viel Zocken fortan als mentale Krankheit eingestuft wird. Es handele sich um eine ernstzunehmende psychische Störung.

Die umgangssprachlich „Gaming-Störung“ genannte Krankheit bezeichnet das exzessiv betriebene Spielen vor einem Bildschirm. Stundenlanges Sitzen vor einem Monitor in Kombination mit nur geringfügiger Beteiligung des Körpers könne nachhaltige Schäden im Gehirn verursachen, so die WHO.

Zu viel Spielen ist gesundheitsgefährdend

Unter einer Gaming-Störung leide man, sobald das Spielen dafür sorge, dass andere Teile des Lebens vernachlässigt werden. Sollte die betroffene Person über die gesundheitlichen Folgen Bescheid wissen, aber weiterhin so viel spielen, wäre die Einstufung einer Sucht gegeben.

Zahlreiche Spieler stürzen sich in oftmals stundenlange Spiele-Sessions, ohne zwischendurch eine Pause einzulegen. Die WHO habe bei Betroffenen erhebliche Schlafstörungen, reduzierte körperliche Aktivität und zu wenig Zeit im Sonnenlicht festgestellt.

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Nicht jeder, der zu viel spielt, ist auch gestört

Vladimir Poznyak von der WHO-Abteilung für mentale Gesundheit und Betäubungsmittelmissbrauch hofft, dass international mehr Gesundheitsexperten die Folgen von zu viel Spielen anerkennen. Es müsse eingestanden werden, dass erhebliche gesundheitliche Risiken entstehen könnten.

Selbstverständlich leide nicht jeder, der viel zockt, unter einer Störung, so Poznyak. Dasselbe sei auch bei allen anderen Mitteln der Fall, darunter auch Alkohol. Die Tatsache, dass ein prozentual geringer Teil betroffen ist, dürfe aber nicht dazu führen, dass die Krankheit unter den Tisch gekehrt wird.

Multiplayer als Sucht-Gefahr

Innerhalb der WHO wird die Videospiel-Sucht in offline und online eingeteilt. Das Spielen im Multiplayer sei jedoch deutlich gefährlicher, da das kompetitive oder kooperative Spielen im Gehirn als suchterregend empfunden wird. Die konstant beanspruchte Konzentration könne die Gaming-Störung deshalb verstärken.

Videospiele gelten ohnehin als viel gefährdender für die Entstehung einer Sucht als andere Medien wie Filme, Serien und Musik oder körperliche Aktivitäten. Die Natur eines interaktiven Mediums führt dazu, dass das Suchtpotenzial stark erhöht ist. Grund dafür sind beispielsweise Belohnungen, Achievements und Fortschritte, die im Gehirn Glücksgefühle verursachen. Durch die vielen hervorrufenden Elementen unterscheidet sich die Videospiel-Sucht, ähnlich wie beim Glücksspiel, stark von anderen Süchten und muss differenziert betrachtet werden.

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Behandlungszentren für Videospielsüchtige

In Länden wie der Niederlande gibt es deshalb bereits spezielle Einrichtungen für Personen, die an einer Gaming-Störung oder Videospiel-Sucht leiden. Personen, die dort landen, würden diese Betreuung allerdings benötigen - sie selbst sind der Ansicht, dass Videospiele ihr Leben komplett übernommen haben.

Kritiker sehen durch die WHO-Einstufung die Gefahr einer Stigmatisierung von Videospielern. Man würde sie zu schnell in die Ecke der Suchtbetroffenen schieben.

Die WHO ist ein Teil der Vereinten Nationen und als Koordinationsbehörde für das internationale Gesundheitswesen verantwortlich. Ihre jährlich herausgegebene Liste an international bekannten Krankheiten wird von nahezu allen nationalen Gesundheitsbehörden anerkannt.

Unsere Meinung

Ja, man kann schnell als Videospielsüchtiger bezeichnet werden. Dennoch ist die Entscheidung der WHO mehr als richtig. Die Gefahr zu unterschätzen wäre ein Fehler und sorgt dafür, dass Betroffene nicht die Hilfe bekommen, die sie unter Umständen nötig haben.

Dass Videospiele eher zu einer Sucht verleiten, als andere Medien, sollte jeder schon mal festgestellt haben. Die Natur der interaktiven Unterhaltung lässt uns in andere Welten eintauchen und so weit vertiefen, dass wir nur schwer wieder entkommen können. Besonders im Multiplayer könnten wir mehrere, wenn nicht dutzende Stunden hintereinander zocken.

Wichtig ist, dass nicht alle Spieler über einen Kamm geschert werden. Genauso relevant ist es aber auch, dass wir Spieler die Existenz dieser Störung anerkennen - und mehr darunter leiden, als uns allen lieb ist. Das ist die bittere Realität.

Gaming Sucht und Süchtige vor PC

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