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Allgemein - Endgegner Burnout: Die Schattenseiten des Spielejournalismus

Von Julia Rother - Kolumne vom 08.06.2016 - 15:42 Uhr
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Burnout: Ein Begriff, der seit Jahren in aller Munde ist und vor allem Managern oder Stars zugeschrieben wird. Ein Irrtum, denn betroffen sind vor allem Menschen in wenig gesicherten oder gesellschaftlich weniger angesehenen Jobs, besonders im sozialen oder kreativen Bereich. Wir sprechen deshalb über die Arbeit als Spieleredakteur und thematisieren dabei nicht nur unsere Liebe zum Beruf, sondern auch Gefahren wie Überengagement, ungewisse Zukunftsaussichten, strukturelle Probleme, (finanziellen) Druck und fehlende Abgrenzung.

Das Burnout-Syndrom, kurz Burnout genannt: Gehört hat diesen Begriff vermutlich jeder schon einmal, denn er geistert seit Jahren (und mit steigender Intensität) in den Medien umher. Stars und Sternchen sprechen mit gedämpfter Stimme und traurigem Blick über die Schattenseiten des Ruhms, Manager outen sich als „echtes Arbeitstier“, welches es „eine Zeitlang übertrieben“ habe. Und wir sitzen da, auf der heimischen Couch, die obligatorische Chipstüte bedächtig in der Hand wiegend und denken uns: „Ja, das macht Sinn, die tragen ja auch echt viel Verantwortung. Puh, so einem Stress möchte ich nicht ausgesetzt sein. Ich hab's da ja noch echt gut, zum Glück kann mir so etwas nicht passieren.“

Blöd nur, dass dies nicht stimmt. Denn tatsächlich machen nicht diejenigen von uns, die in der Öffentlichkeit stehen und viel Macht, Geld und soziale Anerkennung genießen, den Großteil der Betroffenen aus. Es sind die freundliche Krankenschwester, der immer etwas müde aussehende Nachbar von gegenüber und die neuerdings ständig gereizte Lehrerin, die diese psychische Störung statistisch gesehen repräsentieren. Nicht zu vergessen die kreativen Köpfe unter uns, Autoren, Künstler und eben auch Redakteure. Wir wollen heute über Letztere sprechen und dabei den Fokus auf den immer bedeutender werdenden Onlinejournalismus lenken. Da wir uns auf einer entsprechenden Seite befinden, liegt unser besonderes Augenmerk zudem auf dem Beruf eines Spieleredakteurs.

Mehr als bloße Überarbeitung - Burnout in der Übersicht

Burnout kann zusammengefasst werden als tiefgreifender, psychisch ausgelöster, sich aber auch körperlich bemerkbar machender, lähmender und über einen längeren Zeitraum anhaltender Erschöpfungszustand. Diesem geht eine längere Phase der Überbeanspruchung ohne genügend Pausen und ausgleichende Ressourcen wie Freunde, Familie und Hobbys voran. Neben typischen psychosomatischen Symptomen wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schwindel, Tinnitus und Schlafstörungen, sind es vor allem depressive Verstimmungen, die im späteren Verlauf charakteristisch für ein Burnout sind.

Auslöser ist meist eine anhaltende Belastungssituation im beruflichen oder familiären Umfeld, aber auch Charaktereigenschaften wie hohe Sensibilität und Vulnerabilität, ein wenig ausgeprägtes soziales Netzwerk sowie fehlende Anerkennung und Sinnverständnis tragen zu der Entstehung eines Burnouts bei. Uneinigkeit bezüglich der Diagnosekriterien und Überschneidungen mit der Symptomatik einer Depression sind die Hauptgründe, weswegen ein Burnout derzeit nur in den Bereich einer Zusatz-, nicht aber Behandlungsdiagnose fällt. Vermutet ein Psychotherapeut oder Psychiater eine entsprechende Belastung, bleibt ihm nur, eine verwandte Störung oder Nebenerscheinung zu attestieren, um den Therapiebedarf zu sichern. Soll heißen: Während sich schon Fachkräfte schwer tun, die Problematik auf den Punkt zu bringen und von anderen Störungen abzugrenzen, fällt dies dem Durchschnittsbürger noch deutlich schwerer. Hängen blieb bisher offenbar primär „Das haben Manager, die viel arbeiten“, was sicherlich vor allem der falschen Repräsentation in den Medien anzukreiden ist.

„Ich habe zu viel gemacht, für zu viele Menschen, für zu lange Zeit, mit zu wenig Rücksicht auf mich selbst.“ (Graham Greene in seinem Roman „A burned out case“)

Nun sind es aber vor allem die Angestellten, die in wenig gesicherten Jobs arbeiten, kaum (soziale) Anerkennung genießen, sich mit viel Engagement verausgaben und schlecht nach der Arbeit abschalten können, welche an einem Burnout erkranken. Das Gefühl sich beweisen zu müssen steht im Vordergrund und pusht die Betroffenen bis weit über ihre Grenzen hinaus und trotzdem fehlt am Ende das Gefühl eigener Wichtigkeit. Sie sind wenig widerstandsfähig und können mit Stress nicht gut umgehen, sind dafür umso perfektionistischer und ehrgeiziger und zeigen ein überzogenes Pflichtgefühl. Sie sind empfindsam, schnell verletzlich und haben eine niedrige Frustrationstoleranz gegenüber Kritik und Zurechtweisung. Es fällt ihnen schwer sich abzugrenzen und sie definieren ihren Selbstwert über Leistung und die Rückmeldung anderer. Diese Charaktereigenschaften zusammen mit fehlenden privaten Stabilisatoren wie Familie, Freunde und Hobbys sind offenbar entscheidend dafür, dass manche Menschen ein Burnout entwickeln, während andere ähnlichen Belastungsfaktoren standhalten. Wir halten fest: Es gibt Menschen, die anfälliger sind als andere. Und trotzdem tauchen die Überlastungsanzeichen vermehrt in bestimmten Berufsgruppen auf und treffen unter anderem besonders auch kreativ arbeitende Menschen. Auf den Job eines Onlineredakteurs bezogen, gibt es dabei verschiedene prädisponierende Faktoren:

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