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The First Avenger: Civil War - Helden kämpfen gegen Helden im MCU

Von Yannick Arnon - Filmkritik vom 03.05.2016 - 11:03 Uhr
The First Avenger: Civil War Screenshot

Mit The First Avenger: Civil War beginnt Phase 3 des Marvel Cinematic Universe. Der 13. im MCU angesiedelte Film sorgt für einen Umbruch in der Helden-Riege um Steve Rogers alias Captain America und die Avengers. Die Comic-Umsetzung schlägt ein neues Kapitel in dem erfolgreichsten Film-Franchise aller Zeiten auf, dessen Nachwirkungen man noch lange spüren wird.

Avengers Disassembled

Bei einem Einsatz der New Avengers in Nigeria kommt es zu Kollateralschäden, die sich zu einem weiteren PR-Albtraum für Captain America und sein Team entwickeln. Als kurz darauf auch noch eine UN-Konferenz in Wien zum Ziel eines Anschlags wird, bei dem auch der wakandische König T'Chaka sein Leben verliert, geraten die Dinge aus dem Ruder. Die Avengers sollen in Zukunft nicht mehr unabhängig agieren, sondern für die im Rahmen ihrer vorherigen Einsätze verursachte Zerstörung zur Rechenschaft gezogen werden und fortan dem Protokoll der UN unterstehen. Für das Attentat in Wien wird Steves Freund Bucky Barnes verantwortlich gemacht, welcher der Gehirnwäsche durch die Nazi-Organisation Hydra entkommen ist und Abstand zu seinen Taten als Winter Soldier gewinnen will. Captain America ist gezwungen zu entscheiden, ob seine Loyalität entweder seiner Regierung und den Vereinten Nationen oder seinem besten Freund seit Kindheitstagen gilt. Doch auch Tony Stark hat es auf Bucky abgesehen. Der Iron Man fühlt sich insbesondere für die Gräueltaten von Ultron verantwortlich und setzt alles daran, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen.

Es kommt zu einem ideologischen Konflikt zwischen Steve und Tony, der unweigerlich zu einem Clash zwischen Superhelden auf beiden Seiten führen wird. Beide Seiten haben gute Gründe für die vertretenen Positionen und der Streit ist nicht so sehr schwarz und weiß, wie man es auf den ersten Blick vermuten würde und am Ende hat keine der beiden Seiten eindeutig richtig gelegen. Wie schon Avengers: Age of Ultron hat auch Civil War nur grob mit dem gleichnamigen Comic-Event von Autor Mark Millar und Zeichner Steve McNiven zu tun. Kenner der Vorlage freuen sich darüber, dass man mit Hommages an Cover-Illustrationen und Panels den Comics Tribut zollt. Marvel Studios hat sich erneut mehrere künstlerische Freiheiten mit dem Stoff erlaubt, so hat Falcon eine ferngesteuerte Drohne anstelle eines echten Falken als Sidekick und ein berühmtes Zitat von Captain America wurde jemand anders in den Mund gelegt. Auch wenn die Menge der enthaltenen Charaktere etwas anderes vermuten lässt, steht immer noch Captain America im Zentrum des Geschehens. Die Handlung beschränkt sich jedoch nicht auf seinen Blickwinkel und den der Avengers, sondern lässt auch neue Charaktere zum Zuge kommen.

In Civil War feiert Spider-Man sein Debüt im MCU, Marvels Netzschwinger dürfte mittlerweile jedermann bekannt sein und seine Einführung fällt deshalb kurz und bündig aus, bevor er Teil der Action wird. Tom Holland meistert die großen Erwartungen mit Bravour. Sein Peter Parker ist clever, wortgewandt und im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern nimmt man Holland auf Grund seines Alters die Rolle als nerdigen Teenager aus Queens tatsächlich ab. Dann ist da noch Chadwick Boseman als T'Challa, der als Black Panther ebenfalls Jagd auf den Winter Soldier macht. Von Black Panther werden wir noch mehr zu sehen bekommen, spätestens 2018, wenn sein eigener Kinofilm erscheint. Zu guter Letzt sei noch Daniel Brühl als Helmut Zemo erwähnt, der nicht dem Archetypen eines für Marvel-Filme typischen Schurken entspricht. Auch wenn er selbst nicht allzu lange im Film zu sehen ist, haben seine Taten trotzdem weitreichende Folgen. Der wiederkehrende Cast leistet gewohnt gute Arbeit, Robert Downey Jr. kann mittlerweile wahrscheinlich die Rolle des Tony Stark im Schlaf spielen. Erfreulicherweise hat auch Emily VanCamp als Sharon Carter einen größeren Part bekommen, indem sie Captain America tatkräftig zur Seite stehen darf.

Die dunkle Seite der Marvel-Helden

Von den Vorgängern losgelöst betrachtet ist The First Avenger: Civil War bereits ein mitreißender Action-Blockbuster. Doch seine wahren Qualitäten entfaltet der Film erst, sofern ihr das MCU vom Anfang bis hierhin verfolgt habt. Es werden nicht nur Plot-Elemente aus The Return of the First Avenger oder Avengers: Age of Ultron in die Handlung mit eingeflochten, selbst auf The Incredible Hulk aus dem Jahre 2008 wird Bezug genommen. Die beiden Regisseure Joe und Anthony Russo haben bereits mit The Return of the First Avenger bewiesen, dass sie mit den Charakteren des Marvel-Universums packende Geschichten erzählen können. Es war in jedem Fall die richtige Entscheidung, die beiden für Avengers: Infinity War Part 1 und 2 erneut im Regiestuhl Platz nehmen zu lassen. Trotz der geballten Menge erzählerischen Inhalts lässt sich der Handlung auch mehr als zwei Stunden lang leicht folgen. Es wird jedoch etwas hektisch zwischen den einzelnen Schauplätzen gewechselt. Außerdem ist das Ausmaß von Captain Americas Stärke nach wie vor so vage definiert, dass sie sich immer der aktuellen Szene anzupassen scheint.

Wem die Aufzug-Szene aus The Return of the First Avenger gefallen hat, der darf sich auf einen würdigen Nachfolger in Civil War freuen. Klares Highlight ist die Konfrontation zwischen Team Cap und Team Iron Man auf dem Flughafen Leipzig/Halle, das auf allen Synapsen feuert und jedem der beteiligten Helden mehrere Minuten die Gelegenheit gibt, seine Fähigkeiten visuell eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Vor allem ist es eine willkommene Abwechslung für diese Art von Film, dass nicht eine Metropole in Schutt und Asche gelegt wird und Zivilisten dadurch bedroht werden. Der letzte Akt versucht den Spannungsbogen ein weiteres Mal in die Höhe zu treiben, kann jedoch nicht ganz mithalten. Die zahlreichen ruhigen Momente und der pointiert eingesetzte Humor sorgen dafür, dass sich die Protagonisten wie richtige Charaktere anfühlen und nicht nur aus einem Codenamen und einem Kostüm bestehen. Der Versuch von Scarlet Witch und Vision gemeinsam eine auch nur ansatzweise normale Beziehung zu führen oder das erste Aufeinandertreffen von Peter Parker und Tony Stark sind nur zwei der Beispiele hierfür.

Fazit:

The First Avenger: Civil War reißt tiefe Wunden in den Status Quo des Marvel Cinematic Universe und stellt die Weichen für die kommenden Filme. Die Russo-Brüder haben erneut gezeigt, dass eine Comic-Umsetzung nicht zwangsläufig eine anspruchsfreie Action-Orgie sein muss. Civil War liefert mehr als zwei Stunden lang beeindruckende Bilder und charakterbezogenen Humor. Für das MCU geht es in absehbarer Zeit nur in eine Richtung und das ist weiter nach vorne. Wie immer gilt: Bleibt bis zum Ende des Abspanns sitzen.

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