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World of Warcraft - Der Wunsch zu Fliegen sorgt für mehr Spielspaß

Von Christian Liebert - Special vom 11.06.2015 - 12:56 Uhr
World of Warcraft Screenshot

Erst nein, dann ja: Blizzard hatte kürzlich noch bekannt gegeben, dass Fliegen in Draenor komplett vom Tisch sei und das Flugverbot aufrechterhalten wird, doch gestern kam der Sinneswandel. Mit einem Folgepatch von Patch 6.2 wird die Benutzung der Flugmounts möglich, allerdings nur, wenn man zuvor ein umfangreiches Achievement erspielt. Die Entwickler bezeichnen das als die beste Lösung und wir stimmen Blizzard zu, dass man so erneut zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.

Wenn ich mich an mein erstes Reittier in World of Warcraft erinnere, dann war das schon etwas ganz Besonderes. Zurück im Jahr 2005 galten Mounts noch als Luxusgut für reiche Spieler. Reich daher, weil man für den Reitskill und das langsame Reittier knapp 100 Gold investieren musste. Außerdem konnte die Fähigkeit erst ab Level 40 erlernt werden. Die Summe klingt peinlich wenig, war damals aber ein halbes Vermögen. Ich kenne nur wenige Spieler, die in dieser Zeit auf Level 40 bereits, ohne fremde Hilfe, ihr Mount erspart hatten. Bei mir ging das nur durch konsequentes Verkaufen aller, teils wichtiger, Materialien und dem Verzicht auf viele Skills. Reiten zu können war mir einfach wichtiger.

Heutzutage haben Mounts keinen Luxusstatus mehr. Der Goldpreis wurde drastisch gesenkt und viele Spieler haben sowie schon von irgendwoher ein Account-Mount und sind bestens ausgerüstet. Mit dazu kommt, dass es immer zeitiger möglich wurde, sich in einer Erweiterung in die Lüfte zu erheben, was dafür sorgte, dass viele Inhalte einfach geskipt wurden. Kein Wunder also, dass Blizzard dem Ganzen einen Riegel vorschob und Draenor ein Flugverbot erteilte. Dieser Schritt wurde seit Anfang an von der Community gleichermaßen kritisiert und belobt. So wirklich vermisst hat man das Fliegen auch gar nicht, also was war das Problem?

Das Problem ist eigentlich ganz typisch: Man verliert etwas, das vorher selbstverständlich war. Da geht es nicht um die Meta oder ums Spielgefühl, da geht es nur noch um die Sache an sich. Man hat Flugmounts und man darf sie nicht benutzen. Das sorgt natürlich für Frust. Hätte man die Möglichkeit zum Fliegen nie gehabt, hätte es die Spieler nie gestört, aber nun ist es ein essenzieller Bestandteil des MMOs und das nagt gewaltig am Nervenkostüm. Obwohl sich Blizzard bisher eher kalt gegenüber der heftigen Kritik zeigte und vor einigen Wochen sogar verkündet wurde, dass 'das Thema' vom Tisch sei und das Flugverbot bestehen bleibt, habe die Entwickler ihre Meinung jüngst dann doch wieder geändert.

Mit Patch 6.2 können die Spieler den Erfolg „Pfadfinder von Draenor“ erreichen, für den sie den kompletten Kontinent Draenor erkunden, alle wichtigen Questreihen abschließen, 100 Schätze sammeln, alle Bonusziele beenden und den Ruf „Respektvoll“ bei drei Tanaandschungel-Fraktionen erarbeiten müssen. Eine kleine Mammutaufgabe, aber dafür gibt es das Flugmount „Erhabener Himmelsschrecken“ als Belohnung sowie in einem Folgepatch endlich wieder die Fähigkeit auch in Draenor zu fliegen. Da es sich bei Pfadfinder von Draenor um einen Metaerfolg handelt, gilt das danach auch für alle eure Charaktere ab Stufe 90. Ein lohnendes Ziel also.

"Damit erreichen wir unserer Meinung nach einen guten Mittelweg zwischen unserem Ziel, das Potenzial von Inhalten am Boden der Spielwelt auszuschöpfen, und der Möglichkeit, Spielern, die Draenors freie Welt bereits komplett erkundet haben, etwas mehr Freiheit zu gewähren."

Und genau damit lässt sich die Lösung für dieses Leidensproblem auch am besten beschreiben: Es lohnt sich wieder mehr zu spielen, weil man auf etwas hinarbeitet. Ein Hauptproblem von World of Warcraft ist leider immer mehr, dass dem motivierten Spieler die Ziele ausgehen. Kaum eine Fraktion lohnt sich aktuell wirklich zu pushen, die Garnison ist nach der ersten Woche fertig und langweilig, der LFR ist zu einfach und oft bekommt man bessere Items über die Anhänger-Missionen, das Sammeln der Apexiskristalle ist in Sachen Spaßfaktor eher unterirdisch und generell ist in Warlords of Draenor so ein bisschen der Wurm drin, wenn man kein Fan vom gewerteten PvP oder Raid-Gruppen ist.

Die Motivation, die eigene Garnison zu verlassen, ist recht gering und genau da kommt das Fliegen ja ziemlich praktisch daher, weil eben dieser Mehrwert wieder schafft, dass man sich auch außerhalb der Warteschlangen und Auktionshausbesuche mit der Spielwelt beschäftigt und diese abgrast. Damit passt 'Pfadfinder von Draenor' ideal ins Gesamtbild von Patch 6.2, der einige Neuerungen bringt, welche die Inhalte von Warlords of Draenor spannender gestallten. Auch wenn die Jagd auf den Metaerfolg wohl eine einmalige Sache bleibt, da man ihn danach ja auf allen Charakteren nutzen kann.

Aber wie sieht es mit der Spielzeit hinter dem Pfadfinder aus? Immerhin muss ein ganzer Batzen Arbeit dafür erledigt werden und laut mmo-champion.com mangelt es über 70 Prozent der Spieler noch an den Voraussetzungen. Klar, wer während des Levelprozess auf Stufe 100 eifrig Quests erfüllt und Bonusziele mitgenommen hat, der dürfte schon einige Punkte abgehakt haben. Aber gerade die 100 Schätze und das Erledigen aller Haupt-Questreihen ist schon ein Berg an Progression. Geschickte Spieler sollten hier auf jeden Fall die Hilfe verschiedener Mods in Anspruch nehmen, damit sie schneller ans Ziel kommen.

Wer einige Stunden pro Tag in das MMO investieren kann, sollte so in unter einer Woche ganz locker an die nötigen Achievements gelangen. Etwas kniffliger wird es dann nur noch bei den Fraktionen im Tanaandschungel. Aber auch das sollte in absehbarer Zeit machbar sein. Blizzard legt den Spielern mit dem Pfadfinder-Erfolg zwar einen Stein in den Weg, aber keinen, der so groß ist, wie seiner Zeit das Erhalten eines Netherdrachens in The Burning Crusade.

Dabei setzt man aber genau an diesem Grundgedanken wieder an: Man muss sich anstrengen, um Zugriff auf dieses elementare Feature zu bekommen. Auch wenn die Casualisierung das MMO in den vergangenen Jahren vor allem für Wenigspieler sehr angenehm, fast schon zum Selbstläufer, gemacht hat, wünschen sich viele Fans wieder Inhalte außerhalb von Schlachtzügen oder Arena-Ranglisten, die sich hart erarbeitet werden müssen, um dann das Gefühl zu vermitteln, etwas erreicht zu haben. Davon könnte es in Zukunft gerne mehr geben, damit man immer einen Grund hat, in die World of Warcraft einzuloggen.

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