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Games - Free2Play macht sich selbst kaputt

Von Christian Liebert - Kolumne vom 30.04.2015 - 15:42 Uhr
Games Screenshot

Es ist kein Geheimnis mehr, dass der große Markt der „kostenlosen Onlinespiele“ nicht mehr so grandios funktioniert, wie noch vor einigen Jahren. Gameforge Vizechef Tim Campbell sieht die Schuld dabei aber nicht bei den oft kritisierten Methoden, die auch in seinem Unternehmen angewandt werden, oder den Restriktionen dieser Games, sondern bei Mammutspielen wie Skyrim, The Witcher 3 oder GTA Online. 1000 Spielstunden für knapp 60 Dollar würden, seiner Meinung nach, den Free2Play-Titeln ihrer Substanz berauben. Das stimmt natürlich, denn Gameforge und Co. verpassen es wirklich, ihre Spiele zeitgemäß anzubieten.

Wenn es nach Publisher Gameforge ginge, dann sollte die Zeit am besten seit 2009 stillstehen. War Free2Play vor ein paar Jahren noch eine große Gelddruckmaschine, fehlt es heute vielen Titeln an Spielern. Teilweise ist der Erfolg schon während der Beta so gering, dass der Publisher die Notbremse zieht und von einer Veröffentlichung absieht. Auch Gameforge hat sicherlich mit solchen Problemen zu kämpfen. Zwar hat der Branchenriese aus Karlsruhe mit Runes of Magic, TERA, AION und Metin2 vier Toptitel des Genres unter seinem Dach, die sicherlich einiges an Geld abwerfen, doch links und rechts fehlt es an Nachschub.

Da stellt sich die Frage: Was kommt in Zukunft? Derzeit experimentiert man bei Gameforge mit HEX: Shards of Fate daran, den Erfolg von Blizzards Hearthstone zu wiederholen und sich ein neues Standbein aufzubauen. Das könnte klappen, denn zumindest in den USA hat HEX eine große Fanbase und konnte schon während des Crowdfundings auf Kickstarter ordentlich kassieren. Rund 2,3 Millionen Dollar erzielte das Online-Kartenspiel - knapp 700 Prozent mehr als die benötigten 300.000 Dollar. Ob das Spiel letztlich ein Erfolg wird, steht noch aus.

Im eigentlichen Fachgebiet von Gameforge, den Online-Rollenspielen, sieht es aber eher düster aus. Mit RaiderZ hatte man bis Ende 2013 noch einen recht interessanten Titel am Start, der allerdings wegen mangelndem Interesse seitens der Spieler aufgegeben wurde. Zurecht, denn immerhin fehlt es diesem MMORPG bis heute an frischen Inhalten und regelmäßigen Updates. Die Zugpferde des Unternehmens sind allesamt gealtert, gereift und zehren von einer über die Jahre aufgebauten Spielerschaft. Was 2009 noch reichte, ist 2015 allerdings nicht mehr genug. Spiele wie Skyrim oder der Onlinemodus von Grand Theft Auto 5, GTA Online, bieten ein vielfaches an Spielspaß für eine einmalige Zahlung. Im Mai erscheint CD Project Reds The Witcher 3 und will die beiden eben genannten sogar noch übertrumpfen.

Und genau hier sieht Gameforges Vizechef Tim Campbell das Problem: 1000 Stunden Spielspaß für 60 Dollar? Das macht Free2Play das Geschäft kaputt. So verkündete er es zumindest im Interview mit PCGamesN. Dabei ist die Wahrheit aber eher die, dass Free2Play-Spiele, wie sie seit Jahren erscheinen, einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

Mittlerweile bei Gameforge in Betrieb ist das bereits genannte Runes of Magic, eben jenes kostenlose Onlinespiel, das 2009 als große Alternative zu World of Warcraft vom Berliner Publisher Frogster aus Asien importiert wurde und den Startschuss für den Siegeszug des Free2Play-Genres gab. Zwar existierten solche Games davor auch schon, aber erst durch RoM schaffte man es in die Charts. Dass „kostenlos“ aber in Wahrheit gar nicht kostenlos ist, sondern eher durch geschickte Monetarisierung den Leuten ihr Geld abknöpft, mussten viele euphorisierte Fans schnell feststellen.

Was Ende der 2000er noch eine interessante Alternative zum gängigen Abo-Modell war, verliert nun seine größte Existenzberechtigung: Das eben genannte Abo-Modell. Abgesehen von World of Warcraft, Final Fantasy XIV und einigen kleineren MMOs verzichten die meisten Titel heutzutage auf diese Form der Finanzierung. Buy2Play ist das neue Maß aller Dinge. Eben dieses Standardmodell, bei dem man, wie für jedes normale Spiel auch, einmal bezahlt und danach ungehindert Spaß haben kann. Kürzlich erst stieg auch The Elder Scrolls Online auf diesen Zug auf, nachdem man mit monatlichen Gebühren keinen großen Erfolg hatte. Andere Hits, wie Bungies Destiny oder das Prügel-MMO Dragon Ball Xenoverse haben gleich von Anfang an auf dieses Modell gesetzt.

Diese Evolution zieht Publishern wie Gameforge natürlich den Boden unter den Füßen weg, denn warum sollte ich mich mit einem Itemshop und den Restriktionen eines Free2Play-MMOs herumärgern, wenn ich auch einfach einmal bezahlen und dann das volle Spiel genießen kann? Im Endeffekt war diese Entwicklung sogar vorherzusehen und es braucht eben nur seine Zeit, bis moderne Onlinespiele in der Lage sind, sich so zu finanzieren, dass man den Spieler nicht ständig zur Kasse bitten muss.

Das bedeutet aber auch dass Gameforge und all die anderen Publisher, die durch die Bank mit diesen neuen Umständen zu kämpfen haben, sich allmählich weiterentwickeln müssen. Schuld sind nämlich nicht die 1000 Spielstunden für 60 Dollar, sondern die Tatsache, dass Free2Play-Games diesen Umfang nicht bieten können. Die Zeit ist vorangeschritten und genauso wie das Abo-Modell heute schon, gehören auch Gratis-Spiele bald zum alten Eisen. Das Free2Play-Modell schafft sich selbst ab, ganz einfach weil die Spielkonzepte sowie ihre Technik veraltet sind. Im Gegensatz dazu explodiert derzeit der Markt an Indiegames, die in diesen Punkten für kleines Geld oft mehr zu bieten haben.

Natürlich gibt es noch einen ganzen Haufen erfolgreicher kostenloser Spiele. Allen voran Hearthstone, DOTA 2 oder League of Legends. Doch der Markt ist bei Weitem nicht mehr so ertragreich wie noch vor wenigen Jahren. Vielleicht sollte es bei Gameforge daher im nächsten Meeting mal ausnahmsweise nicht darum gehen, wie man noch geschickter das Geld aus den Taschen seiner Fans ziehen kann, sondern eher darum, wie man mit frischen Ideen wieder ganz vorne mit dabei ist. Darüber sollte Tim Campbell einmal nachdenken.

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