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H1Z1 - Zwischenruf - so schlecht ist das Spiel doch gar nicht

Von Pierre Magel - Blog-Beitrag vom 23.01.2015 - 16:05 Uhr
H1Z1 Screenshot

Als Redakteur für Onlinespiele bekommt man den ein oder anderen Shitstorm über ein Spiel sehr intensiv mit. Wenn ich an 2014 denke, fallen mir reihenweise Titel ein, die sehr unter negativen Kommentaren zu leiden hatten. Was aber 2015 mit dem Zombie-MMO H1Z1 passiert, toppt das schon echt deutlich. Ich spiele H1Z1 seit dem Startschuss, habe schon ungefähr 35 Stunden auf dem Konto und muss feststellen: Mir macht der Titel Spaß! Wie kann das sein, wo die Meinung der Magazine doch so wahnsinnig schlecht ausfällt? Gibt es doch schöne Dinge im MMO zu erleben? Dieser Artikel ist meine ganz persönliche Meinung über H1Z1 und spiegelt nicht zwingend den Standpunkt unserer anderen Redakteure wieder. Ich halte es nur für fair, wenn man neben all der Kritik auch lobende Worte findet. Viel Vergnügen.

Der verteufelte Early Access

Da ich durch frühere Tätigkeiten für eine Online-Redaktion einen guten Bezug zu Sony Online Entertainment habe, hatte ich schon lange das Zombie-MMO H1Z1 auf dem Schirm. Nahezu seit Ankündigung der Idee habe ich regelmäßig Reddit, Twitter und Twitch nach neuen Informationen zum aktuellen Entwicklungsstand abgesucht. SOE hat den Ruf, sehr offen mit der Community über alle Schritte der Kreation zu sprechen - wie ich später noch schreiben werde, haben sie manchmal sogar zu offene Worte. So hat man als allererste Ankündigung vermerkt, dass H1Z1 ein kleines Nischenprodukt sein soll, welches auf Basis einer hauseigenen Engine erschaffen wird. Keinerlei Worte wurden darüber verloren, mit H1Z1 den nächsten großen Kracher in der Hinterhand zu haben. Warum ich das erwähne? Liest man sich durch die gängigen Magazine, dann könnte man schnell den Eindruck gewinnen, das Spiel wäre als Meisterwerk gehandelt worden.

Natürlich geht noch einiges schief und der Start war absoluter Bockmist. Doch kann man das einem Early Access, also einer frühen Alpha, überhaupt vorwerfen? Ich möchte mit Sicherheit nicht alles mit dem Begriff Early Access entschuldigen, aber stückweit muss man auch einfach fair und realistisch bleiben. Der Großteil der Fehler, die H1Z1 absolut unspielbar gemacht haben, wurden unter beispiellosem Einsatz des Teams sehr schnell gefixt - und das an einem Wochenende! Zwar ziehen sich über die bisherigen Tage immer wieder auch Probleme mit neuen Updates, die weitere Probleme hervorrufen, doch war bisher kein Bug lange unentdeckt und unbehandelt. Der SOE-Präsident John Smedley und seine komplette Truppe haben zahllose Beiträge auf Reddit verfasst und sich die Finger via Twitter wundgetweetet. Sieht so eine Entwicklung aus, die mit einer verfrühten Version eine schnelle Mark machen und dann das Spiel Spiel sein lassen will? Ich glaube nicht. Ich glaube auch nicht, dass SOE nur die klischeehaften paar Wochen aktiv an H1z1 arbeiten will. Die werden konstant mit all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln schuften, bis der Großteil der Community glücklich ist. Wenn ich dabei an den omnipräsenten Vergleich zu DayZ denke, frage ich mich, wo der "Genreprimus" nach all der ewig langen Entwicklungszeit erst angelangt ist - aber über Fehler eines Spiels meckern, welches wenige Tage alt ist.

Eine berechtigte Frage wird sich häufig gestellt: Sony Online Entertainment - das ist doch ein riesiges Entwicklerstudio. Warum brauchen die einen Early Access, der normalerweise kleinen Studios dazu dient, ohne größere finanzielle Mittel eine Idee zu verwirklichen? Auf den ersten Blick habe ich mich das auch gefragt. Auf den zweiten Blick muss man da wohl seine Erwartungen zurückschrauben. SOE hat viele große Titel hervorgebracht, in letzter Zeit waren erfolgreiche Spiele allerdings eher rar gesät. PlanetSide 2 funktioniert gut, wirft aber erst seit wenigen Monaten Geld ab. Ich würde mir niemals zutrauen, irgendwelche Prognosen zur finanziellen Lage von Sony Online Entertainment aufzustellen, doch glaube ich, dass es durchaus legitim ist, wenn SOE hier um Unterstützung aus der Community bittet. Fakt ist schließlich: Niemand muss sich gezwungen fühlen, 20 oder 40 Euro in den Titel zu investieren. Eine ebenfalls sehr frühe Aussage der Entwickler? "Überlegt euch gut, ob ihr zum Early Access greifen wollt. Was ihr erwarten dürft, ist ein kleiner Ausschnitt der kommenden Features - das Spiel braucht noch eine lange Entwicklungszeit und wird während der frühen Anfangsphase noch zahlreiche Updates brauchen."

Abenteuer, Atmosphäre, Angst

Mit der Zeit legten sich die anfänglichen Serverprobleme und man konnte vernünftig in das Spiel starten. Okay, hier bin ich also. Mitten in einer Apokalypse, nur mit der üblichen Ausrüstung à la Taschenlampe und Klamotten am Leibe. Was macht man da denn so? Da die Frage mit "überleben" wohl zu einfach beantwortet werden würde, erzähle ich einfach mal davon, was mir in letzter Zeit so alles widerfahren ist.

Nachdem ich ein wenig planlos durch die Gegend streifte und schnell mal von einem Wolf, einem Zombie oder wahlweise einem anderen Spieler getötet wurde, kam ich immer besser in H1Z1 hinein. Ich habe gelernt, möglichst jeden Beerenstrauch gegen den doch stark vorkommenden Hunger und Durst zu plündern, sollte mich unausgerüstet den Städten fernhalten, sollte nachts nicht immer mit der Taschenlampe herumrennen, da ich sonst Zombies anlocke und vor allem sollte man bereit sein, die Funktion des Voice Chats zu nutzen. Was ist das für ein Spaß, wenn ich mich rollenspielgerecht mit anderen Apokalypsen-Bewohnern darüber unterhalte, wie man am besten die nächsten Tage überleben kann. Klar, das ist kein Alleinstellungsmerkmal - ganz im Gegenteil. Doch es gehört eben dazu und nur weil alle anderen Spiele des Genres das auch haben, muss es nicht unerwähnt bleiben. Manchmal trifft man auch ganz seltsame Typen, die einem Lieder vorsingen oder so tun, als wären sie Zombies.

Im Gegensatz zu den Kritikern, die darin ihre Atmosphäre gestört sehen, bin ich begeistert von der großen Anzahl an Spielern. Es wäre mir sogar öde, wenn ich die manchmal doch sehr langen Strecken ereignislos überbrücken müsste. So kann an jeder Ecke ein anderer Mensch warten. Dann geht das Spiel von vorne los: Ist er freundlich? Will er reden? Schießt er mir stillschweigend einen Pfeil in den Kopf? Wenn man ein wenig Ausrüstung sammeln konnte, dann auf feindliche Überlebende trifft, sich verstecken muss, dabei Zombies brüllen, der Mond am Himmel steht und man von allen Ecken Schritte hört, dann ist das Nervenkitzel pur. Selten so viel Herzklopfen durch ein Spiel bekommen!

Normalerweise bin ich ein sehr friedfertiger Spieler, der immer nett grüßt und erst angreift, wenn er angegriffen wird. Doch warum nicht einmal den Bösewicht spielen und schauen, was bei rum kommt? Ich habe mir in H1Z1 den Spaß gemacht und mich mit einem Bogen bewaffnet auf Spielerjagd gemacht. Jeden, den ich gesehen habe, wollte ich umbringen. Totales Arschverhalten, aber für eine Runde war das wirklich Action pur. Ich konnte zugegebenermaßen eh nicht viele killen, aber es war eine der vielen Möglichkeiten, sich stundenlang wundervoll unterhalten zu fühlen. Wenn man dann noch Base Building betreibt oder gezielt Ortschaften entdecken will, hat man erst mal ordentlich zu tun. Der Palast ist fertig gebaut und die Map auswendig gelernt? Ab auf die Event-Server, auf denen man zusätzliche Abwechslung geboten bekommt.

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