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Games - Warum ich von Early-Access abrate!

Von Christian Liebert - Kolumne vom 28.05.2014 - 13:40 Uhr
Games Screenshot

Wer sich bei Steam durch die Shop-Rubrik „Early-Access“ wühlt, der wird etliche interessante Titel finden, die zum Ausprobieren anreizen. Das Problem: Sie sind bei Weitem nicht fertig. Der aktuelle Trend, seine Games vor der Fertigstellung bereits zu verkaufen, stellt sich für viele Entwickler als eine bequeme Art der Finanzierung heraus. Dabei realisieren viele Spieler trotz Warnschilder nicht, dass es sich um ein unfertiges Produkt handelt, das sich womöglich noch für unzählige Monate in der Entwicklung befinden wird. Die Bezahl-Alpha greift immer weiter um sich und verleitet sogar bereits öffentliche Spiele dazu, wieder ihre Pforten zu schließen und nur Käufern Zugang zu gewähren. Mir gefällt diese Modeerscheinung nicht wirklich und ich rate dringend davon ab, leichtfertig für eine Testphase bares Geld zu bezahlen.

Die Zeiten ändern sich

Als ich noch „jung“ war und die ersten MMOs in mein Leben traten, gab es eine ganz klare Aufteilung: Alpha für wenige Spieler, Beta für mehr Tester und die breite Masse musste auf den Release warten. Es war die Zeit, als der Zugang zu einer frühen Phase eines Spiels noch ein Geschenk Gottes war, dem man ehrfürchtig entgegentrat. Man war ein Tester, jemand, ein Auserwählter, der den Entwicklern half, an ihrem Game zu werkeln. Heute aber scheint sich diese Grundfeste immer mehr zu wandeln. Aus Testern werden Finanziers, die sich den Zugang zum Spiel erkaufen und damit nicht mehr sind, als eine Geldbeschaffungsmaßnahme. Okay, das ist jetzt ziemlich hart ausgedrückt, aber anders kann ich mir den aktuellen Trend des „Early-Access“ bzw. der „Bezahl-Alpha“ nicht erklären.

Das System funktioniert dabei eigentlich ganz simpel: Gründerpakete. Schon lange vor dem Release bieten die Entwickler spezielle Vorkauf-Möglichkeiten, die unter anderem auch einen Zugang zur Alpha-Phase eines Spiels beinhalten, an. Eine Alpha ist quasi so die erste Version, die einigermaßen lauffähig ist. Oft fehlen noch mehr als die Hälfte der angekündigten Features und der Rest strotzt nur so vor Fehlern und Unausgeglichenheiten. Früher gab es den Zugang zu diesem frühen Stadium nur für ganz wenige Spieler, heutzutage gibt es ihn für Geld. Beste Beispiele sind die Survival-Mehrspieler DayZ, Nether und Rust, aber auch das Minecraft-MMO Landmark oder der Cube World-Klon Trove. Was viele aber nicht realisieren, ist, dass ein Early-Access-Zugang weniger dazu dient, an der Entwicklung eines Spiels als Tester beteiligt zu sei, - wie es zum Beispiel David Georgesson von Sony Online immer wieder betont - sondern eigentlich darum, eine wesentliche sichere Methode des Crowdfundings zu bilden. Bei Kickstarter läuft man nämlich immer Gefahr, aus mangelndem Interesse, das Ziel nicht zu erreichen und am Ende keinen müden Cent zu erhalten. Den Kauferlös eines Fans hingegen hat man so gut wie sicher.

Der erkaufte Alpha-Zugang

Genau hier beginnt die Sache jetzt kritisch zu werden, denn nicht jeder Spieler kann mit so einem Umstand umgehen. Produktbeschreibung und Screenshots kündigen ein tolles Erlebnis an, der Test-Client hingegen ist oft eine Belastbarkeitsprobe für die Nerven. Bei DayZ zum Beispiel lag der Umfang der Standalone weit hinter dem der Modifikation, was in den ersten Stunden für lange Gesichter bei den Fans sorgte. Dass gerade der Soft-Release von Dean Halls Zombie-Hit vor allem ein Akt der Geldbeschaffung war, liegt nach dem milden Verkauf von Arma 3 praktisch auf der Hand. Ebenso bei Nether, einem Onlinespiel mit ähnlichem Konzept, das in den ersten Wochen mit durchgehend abstürzenden Servern zu kämpfen hatte. Anderen Titeln ergeht es ähnlich. Kommt dabei Spielspaß auf? Sicherlich nicht!

Beim heiß ersehnten Starbound zum Beispiel mussten Spieler immer wieder mit sogenannten „Wipes“, also der kompletten Löschung der Spielstände, leben, wenn ein umfangreicheres Update eingespielt wurde. Den Vogel schoss aber Cube World ab, dessen Entwickler sein Engagement kurz nach dem Release der Alpha irgendwie verloren hat und das Projekt jetzt nur noch vor sich hindümpelt - sehr zum Ärger der Fans, die eben schon bezahlt hatten. Bezahlt für etwas, dessen Vision sie teilten. Bezahlt für etwas, dass wohl nie in die Beta übergehen wird. Das letzte Update - ein Ausblick auf neue Inhalte - erschien Anfang Januar nach bereits 8-monatiger Stille, eine weitere Vorschau, diesmal auf das heiß ersehnte Quest-System, kam Monate später. Updates hat das Spiel aber keine mehr gesehen. Kaufen kann man das Game dafür immer noch, allerdings rate ich davon dringlich ab!

Für einen wahren Aufschrei sorgte der Post-Apokalypse-Shooter Earth: Year 2066, der mal so gar nicht aussah oder auch nur halbwegs so funktionierte, wie eigentlich angekündigt. Die Alpha war hinten und vorne ein totales Desaster - die Spieler fühlten sich betrogen. Valve reagierte, entfernte das Spiel von Steam und zahlte alle Käufer wieder aus.

Wirklich nicht gar verstehen kann ich diesen Trend bei "kostenlosen" Online-Spielen, gerade bei MMOs. Hier machen sich Entwickler ebenfalls den Hype und die Vorfreude der Spieler zunutze, um ihre streckenweise arg überzogenen Pakete zu verschachern. Hauptsache gleich von Stunde Null an mit dabei sein, lautet hier das Motto in vielen Köpfen. Ein Umstand, den ich nicht befürworten kann. Warum zur Hölle soll ich für ein Spiel bezahlen, damit ich einen Zugang zur verbugten Testphase erhalte, wenn es doch später kostenlos und sogar relativ fertigentwickelt zur Verfügung stehen wird? Das widerspricht sich doch an allen Ecken und Enden!

Lichtblicke

Natürlich gibt es auch positive Beispiele, wie Minecraft, das dieses Konzept quasi populär gemacht hat. Schon während der frühsten Alpha konnte man den Titel kaufen - zu einem Bruchteil des späteren Preises, während in vielen Fällen Early-Access-Zugänge sogar teurer angeboten werden. Dafür hatte man bei Minecraft aber nie das Gefühl auf der Stelle zu stehen. Das Grundgerüst stand und wurde kontinuierlich erweitert. Als Spieler war man von Anfang an Teil einer großen Vision und wuchs mit ihr. Ähnlich verhält es sich bei Chris Roberts Star Citizen. Hier dienen die Gründerpakete dem guten Zweck, die Inhalte des Weltraum-MMOs zu erweitern, was man auch so auf der Webseite erfährt. Das Geld schießt eben nicht in ein schwarzes Loch, wie es leider bei vielen anderen Vertretern der Kategorie "Early-Access" der Fall ist.

Das Ende vom Klagelied

Fakt ist für mich einfach, dass dieses Early-Access-Ding langsam überhand nimmt. Quasi jedes Online-Spiel lockt mittlerweile mit diesen Fangangeboten, zu teilweise unverschämten Preisen. Dabei wird sogar noch in Alpha- und Beta-Zugang unterteilt, nur um zum Kauf des teureren Pakets zu animieren. Ein Trend, den ich so nicht mehr gutheißen kann, weil es einfach zu viel wird. Ich möchte mich nicht in unzählige Testphasen einkaufen müssen, nur weil schicke Screenshots und auf cool getrimmte Trailer ein tolles Game versprechen. Da bin ich Freund der Tradition: Erst wenn das Spiel fertig ist, wird dafür bezahlt. Immerhin will ja niemand die Katze im Sack kaufen und gerade Beispiele wie Cube World oder Earth 2066 zeigen, wie schnell das eigene Geld in den Sand gesetzt werden kann. Natürlich ist jeder heiß darauf, einen begehrten Titel so schnell wie möglich auszuprobieren. Ich persönlich rate aber dazu, nicht sofort mit Geld zu werfen, sondern erst mal abzuwarten. Das spart nicht nur Euro, sondern auch Nerven.

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