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gamescom 2012 - Mehr als eine Namensliste: Kein Grund zum gamescom-Boykott

Von Thomas Wallus - Kolumne vom 04.07.2012 - 11:15 Uhr
gamescom 2012 Screenshot

Tränen wohin das Auge reicht. Vor lauter Aufregung fällt es in diesen Tagen einigen wohl schwer eine waschechte Vorfreude auf die Tage der Kölner Gaming-Messe aufzubauen, denn Trübsal blasende Kritiker lassen an keiner Stelle Raum für positive Worte zum nur noch rund einen Monat entfernten Event. Fehlende Namen auf der offiziellen Ausstellerliste scheinen die Attraktivität der gamescom nun nämlich schon seit Wochen ins Bodenlose sinken zu lassen. Ohne große Unternehmen, als gäbe es nicht genügend von ihnen, bleibt offenbar kein Anlass mehr für einen Besuch in Köln. Eine Haltung, die wiederum zum Aufschreien einlädt, denn bei der eigenen Enttäuschung belässt man es in vielen Fällen nicht.

Erst wenn der letzte Mitmensch vom finalen Todesstoß der jungen Messe überzeugt ist, wird aufgehört mit Messerstecherei. Mit gutem Grund aber trägt die Spielemesse nicht den Namen Nintendocom oder Segacom. Die gamescom ist mehr als Schauplatz des Marketings der Global Player, umso grausamer die Reduzierung auf deren Präsenz. Unser Aufruf: Lernt die gamescom lieben für all das, was sie ist, nicht nur für das, wofür sie beworben wird!

Leider ist der Fehler von den Verantwortlichen selbst gezüchtet. Umso schwerer fällt es heute auf die weiteren Vorteile der gamescom einzugehen. Schließlich war die hauseigene Freude über die Zusagen großer Unternehmen in den letzten Jahren selbst so gigantisch, dass sie ohne Umschweife für das Öffentlichkeitsbild der Messe instrumentalisiert wurden. Und auch nach dem in letzter Zeit aufgekommenen Unmut weckt man nicht den Eindruck, als habe man eine andere Antwort auf die Absagen als die Enthüllung weiterer Aussteller. Wundern, wieso das stundenlange Anstehen in den Reihen der großen Hallen allen Ernstes der Anreiz schlechthin für den langen Weg nach Köln sein soll, kann man sich allemal. Irgendwann erblickt das gelobte, gar vergötterte Videospiel ohnehin das Licht der Welt – und nach 30 Minuten im eigenen Besitz ist man ohnehin schlauer über das Produkt als nach vier geduldigen Stunden im Stehen. So erstrebenswert, dass es das Faultier Mensch nur deswegen von Zuhause weg bewegt, kann der vorzeitige und exklusive, kurze Blick auf die virtuellen Welten also rationalem Denken nach nicht sein. Genau so wenig ist eine Absage eines Unternehmens daher auch kein Grund zur Wut und überproportionalen Enttäuschung.

Einen zur Anwesenheit verpflichtenden Vertrag über 100 Jahre haben Publisher mit den Messebetreibern unseres Wissens nach letztlich nicht am Laufen. Umso größer unserer Missgunst all denjenigen gegenüber, die an dieser Stelle mit dem gerichteten Zeigefinger versuchen, den Ruf der vergangenen Aussteller zu ramponieren. Es bleibt auch eine Entscheidung, die ein Unternehmen fällen darf. Akzeptanz zu lehren, ist aber bekanntlich ein schwierigeres Unterfangen – und so wird es die neumodisch „Hater“ genannten Prediger auch weiter geben. Mit etwas gesundem Verstand ausgerüstet gibt es unserer Meinung nach aber keinen Anlass, sich von der gedrückten Stimmung einfangen zu lassen. Wir haben gute Gründe, die einen Abstecher in die Hochburg des noch schlummernden Karnevals rechtfertigen.

Nachdem die gamescom im Jahre 2009, 2010 und 2011 einen Erfolg verbuchte, wird dieses Jahr über ein mögliches Aus spekuliert.

Richten darf man sein Augenmerk nämlich nicht nur auf Produktpaletten und nach großen Namen, auch die Sehnsucht nach dem „Lebensgefühl gamescom“ lohnt sich. Denken wir an unsere Eindrücke der letzten Jahre, dann verbinden wir mit der gamescom keine Hallen schweigender Einzelgänger, die in Warteschlangen ihre persönlichen Minuten der Erfüllung abwarten. Wie bei einer Europameisterschaft geht es vor allem um das hochgelobte „Wir-Gefühl“ einer Gemeinschaft gleichen Interesses. Der Austausch von Erfahrungen, Erwartungen, Hoffnungen und eigenen Feature-Vorlieben ist der Stoff, aus dem die gamescom gemacht hat. Videospiele sind nämlich nicht nur Produkte, sondern auch ein diskutables Thema. Es lohnt sich, Menschen zu treffen, die wohlmöglich eine andere Sicht auf das aktuelle Geschehen haben. Bei der angesprochenen Reduzierung auf Unternehmensmarken gehen dann leider dieses Lebensgefühl tragende Events wie das „gamescom Festival“ oder „gamescom event level“ unter. Über diese Aktionen gilt es sich auch zu informieren, schon kehrt die Vorfreude in Windeseile zurück. Sich einmal dem in der Öffentlichkeit noch vielerorts verbreiteten Image des nerdigen Gamers entziehen und den Hobby-Alltag nach außen tragen, hier liegt auch mitunter der Kern des Events.

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