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Allgemein - Alles nur heiße Luft? - Der MMO-Markt im Wandel der Zeit

Von Christian Liebert - Kolumne vom 13.06.2012 - 19:31 Uhr

Vor nicht ganz einem Jahr war Star Wars: The Old Republic von BioWare und Electronic Arts noch einer der größten Hoffnungsschimmer für viele Online-Rollenspieler. Mittlerweile kämpft der „Blockbuster“ um seine Spieler, die wohl keine Lust auf ein müdes Sternenabenteuer haben. Aber der neueste Ableger aus George Lucas' Kultuniversum ist kein Einzelfall. Der Konsument ist anspruchsvoller geworden, schluckt nicht mehr jede Pille und verlangt etwas für sein Geld. Wer da nicht genügend Bonbons im Gepäck hat, verliert schnell den Anschluss und damit auch seinen Platz auf dem ohnehin schon zu dicht besiedelten Markt. Als Journalisten erleben wir es hautnah mit. Neue Spiele, die als die größten Lichtblicke überhaupt gehandelt werden, verschwinden schneller in der Dunkelheit als sie gekommen sind. Aber woran liegt das? In diesem Artikel wollen wir den Gründen für das Scheitern vieler, ansatzweise guter, MMORPGs auf den Grund gehen.

Es war einmal, in einer Galaxie... ohne Spieler

Wenn man vor einem Jahr einen Artikel über ein Online-Rollenspiel geschrieben hat, dann kam nicht selten als Antwort „Was wollt ihr denn damit, bald kommt doch Star Wars?!“. Das erste MMO der Mass Effect Schöpfer schlug mächtige Wellen und begeisterte vorab schon mehrere tausend Star Wars Fans auf der ganzen Welt. Für die stand bereits fest, dass mit diesem Ableger endlich ein MMORPG auf den Markt kommen wird, das alle Konkurrenten weg fegen würde und sich zum König des Genres etabliert. Dieser Glaube hielt exakt so lange an, bis das Spiel erschienen ist. Die Enttäuschung der Spieler war groß als der erwartete Messias auch nur ein Brühkessel aus geschicktem Marketing und zu hohen Erwartungen war. Wie so viele Spiele davor schwächelt auch Star Wars: The Old Republic aufgrund der fehlenden, anspruchsvollen High-Level-Inhalten. Der vorhandene Content reizt die Sternenabenteurer nicht unbedingt und so schalteten viele User verärgert wieder ab und kündigten ihre Accounts. Zwar wurde auf der diesjährigen E3 ein Patch angekündigt, der alles besser, toller und schöner machen soll, doch für viele User kommt dieser Rettungsanker bereits zu spät. Man freut sich lieber auf ein neues Spiel und hofft, dass dann endlich alles besser wird.

Aber wie kann so etwas eigentlich passieren? Immerhin waren doch so viele Spieler hin und weg, als sie die ersten bewegten Bilder des Titels gesehen haben. Vielleicht war aber auch genau das der Grund? Electronic Arts und BioWare setzten von Anfang an auf eine sehr intensive Medienpräsenz. Rasend schnell avancierte SWTOR zum Toptitel und Hoffnungsträger einer ganzen, gelangweilten MMO-Generation. Die Mundpropaganda tat hier aber ihr übriges. Die Erwartungen waren riesig. Zu riesig, um direkt zum Start alles verwirklichen zu können. Aber gut, wer ein großes Universum ankündigt, der muss auch ein großes Universum bieten. Man kann es sich quasi so vorstellen, als wäre man beim Autohändler und bekäme vorgeführt, wie diese Modelle in ein paar Jahren mal sein werden. Das Auto, mit dem man dann nach Hause fährt, entspricht dann natürlich nicht diesem Vorbild. Da kann man schon sehr schnell die Lust verlieren.

Age of Conan – Ein epischer Reinfall

SWTOR ist natürlich nur die Spitze des Eisberges und bestimmt kein Einzelfall. Versagen gehört schon seit Jahren zur Welt der Online-Rollenspiele. Man könnte diese Aufzählung mit mindestens zwei dutzend anderen Titeln weiterführen, aber wir schnappen uns gleich das Spiel, welches der Inbegriff für leere Versprechungen überhaupt ist: Age of Conan. 

Erschienen bereits im Jahr 2008, entwickelt von Funcom und von vielen Spielern als die neue MMO-Offenbarung gehandelt, zeigte das Barbaren-MMO binnen weniger Monate, wie man aus über einer Millionen aktiver Spieler ein paar tausend machen kann. Das Geheimnis lautet hier: leere Versprechungen! Wer die Entwicklung des Spiels miterlebt hat, dem wird sich bei diesen Zeilen bestimmt der Magen umdrehen. Funcom hat sein Spiel natürlich mit extrem tollen Neuerungen für das Genre angekündigt und fürwahr, im ersten Moment war man schon sehr begeistert. Leider stellte sich schnell heraus, dass hinter all den Versprechungen nur heiße Luft steckte. Viel zu früh wanderte das Spiel auf den Markt und man hatte eher das Gefühl, eine Beta statt einem richtigen MMORPG zu spielen. Nur mit dem gravierenden Unterschied eben, dass man monatlich dafür zur Kasse gebeten wurde.

Die Liste an fehlenden oder unfertigen Inhalten war endlos. So gab es zu Release keinen Loot in hochstufigen Dungeons, PvP war fast gar nicht implementiert (und lies auch noch ein halbes Jahr auf sich warten) und das Crafting wollte auch noch nicht so richtig funktionieren. Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Spiel selbst mit empfohlener Hardware nicht flüssig lief und die DirectX-10 Option kurzerhand ausgegraut und verschoben wurde, sind dies nur die Highlights in der endlosen Makelliste von Age of Conan.

Zugegeben, mittlerweile soll das Spiel (Hörensagen) ganz gut sein, aber das interessiert die verärgerten Spieler von damals, die für ihre verzweifelten Kommentare im offiziellen Forum nur harsch abgespeist wurden, wohl wenig. Fakt ist, wer viel verspricht, der muss auch viel halten. Age of Conan ist ein wunderschönes Beispiel für einen der kritischsten Absturzgründe auch bei heutigen Spielen. Dem Konsumenten wird mit Engelsmine der Mund sabberig geredet und ganz viel versprochen, ganz egal ob dies nun wirklich zutrifft oder ob man dies einhalten kann. Vielleicht nimmt man sich als Entwickler auch einfach zu viel vor und merkt dann schnell, dass das Geld knapp wird und entscheidet sich in einer Panikreaktion dazu, ein unfertiges Spiel auf die User loszulassen. Frei nach dem Motto: „Jetzt verdienen wir erstmal etwas Geld und dann entwickeln wir unser Spiel fertig“. Fakt ist aber dennoch, dass man die gemachten Versprechungen auch einhalten muss. Ansonsten vergrault man sich seine wertvollen Spieler, da diese sich etwas an der Nase herum geführt fühlen. Ein Auto, das nicht fährt, wird auch keiner kaufen. Egal wie toll die Klimaanlage und wie schön das Lenkrad ist.

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