Von Wladislav Sidorov | News vom 06.10.2017 - 17:59 Uhr - Kommentieren
Steam Screenshot

Wer einen Steam-Account hat, kann ihn laut Vertrag nur persönlich nutzen. Doch was passiert eigentlich, wenn ihr sterbt? Könnt ihr das Konto mitsamt allen Spielen vererben?

Wer sich selbst als Sammler bezeichnet, dürfte auf Plattformen wie Steam schnell dutzende, wenn nicht hunderte oder sogar tausende Spiele gekauft haben. Die meisten werdet ihr im Rahmen eurer noch übrigen Lebenszeit niemals durchspielen können - warum also nicht an jemanden vererben?

Im Zeitalter digitalen Medienkonsums ist der Besitz von Kultur kaum noch möglich. Wer nicht gerade zu einem kopierschutzfreien Titel, einer DVD oder Bluray, Album oder Buch greift, verfügt in der Regel nur über eine Lizenz, das Produkt zu nutzen. Was ihr auf Steam spielt, bei iTunes kauft und bei Spotify streamt gehört euch keineswegs. Ihr bekommt im Austausch gegen Geld lediglich das Privileg, diese Medien nutzen zu dürfen.

Accountleichen auf allen Plattformen

Langjährige Spieler dürften im Laufe ihres Lebens mehrere tausend Euro in Spiele auf Steam, PlayStation Network, Xbox Live und Nintendo eShop ausgeben. All diese Plattformen sind noch vergleichsweise jung, genau wie die Nutzer. Blicken wir jedoch ein paar Jahrzehnte in die Zukunft, dürfte ein signifikanter Teil der Nutzer mit zunehmenden Alter sterben - die Anzahl der nie wieder genutzten Accounts signifikant ansteigen.

Während physische Medien problemlos an Freunde, Verwandte oder Organisationen gespendet werden können, ist die Situation bei digitalen Gütern schwieriger. Apple, Google, Valve und alle anderen Anbieter von digitalen Inhalten vergeben die Lizenz nur an die Person, die sie erworben hat. Die Weitergabe der Lizenz ist nicht erlaubt und kann zur Sperre des Accounts führen.

Was passiert also mit eurem Accounts, wenn ihr sterbt? Ist es möglich, eure Sammlungen an eine andere Person weiterzugeben? Ja - aber nur mit hohen Hürden.

Vererben ja, aber mit vielen Hürden

Im Rahmen des von euch akzeptierten Nutzungsvertrags für Steam erklärt Valve folgendes:

„Es ist Ihnen untersagt, Ihr Kennwort oder Benutzerkonto Dritten offenzulegen bzw. zugänglich zu machen oder Dritte sonst Ihr Kennwort oder Benutzerkonto nutzen zu lassen, es sei denn, Valve hat dem ausdrücklich zugestimmt. Ihr Benutzerkonto und alle damit verbundenen Informationen (z.B.: Kontaktinformationen, Rechnungsadresse, Kontenverlauf und Abonnements, usw.) sind vertraulich. Dementsprechend ist es Ihnen nicht gestattet, Ihr Nutzungsrecht an Dritte zu veräußern oder Dritten entgeltlich zur Ausübung zu überlassen oder gegebenenfalls Abonnements an Dritte zu veräußern oder Dritten entgeltlich zur Ausübung zu überlassen, wenn und soweit dies Ihnen nicht ausdrücklich durch die Bestimmungen der vorliegenden Vereinbarung (einschließlich etwaiger Abonnementbedingungen oder Nutzungsrichtlinien) oder aufgrund ausdrücklicher Erlaubnis von Valve gestattet ist.“

Vereinfacht gesagt: Die Weitergabe eurer Accountdaten an eine andere Person entspricht Vertragsbruch und ist nicht erlaubt, sofern Valve nicht vorher zugestimmt hat. Doch wie holt man sich die Erlaubnis von Valve ein, nach dem Tod den Account vererben zu dürfen?

Offiziell existiert den Recherchen der Kollegen von Eurogamer zufolge kein entsprechendes Formular, bei dem ein Nachlasswunsch eingereicht werden kann. Auf Nachfrage der Kollegen beim offiziellen Kundensupport von Steam wird lediglich darauf hingewiesen, dass die Weitergabe der Accountdaten nicht gestattet sei. Valve kann also eine Ausnahme machen, bietet aber keine Lösung an.

Das Altersproblem: Virtuelle Massengräber

Chris Bratt von Eurogamer merkt an, dass ihr auch einfach eure Accountdaten weitergeben könntet - die Wahrscheinlichkeit, dass Valve den Besitzerwechsel nach eurem Tod nachvollziehen könnte, ist eher gering. Dies ist tatsächlich die Art und Weise, wie viele Nutzer derzeit ihre digitale Kollektion weitervererben - auch wir in der Redaktion würden im Ernstfall wohl zu entsprechenden Mitteln greifen.

Je älter die heutigen Mitglieder von Steam werden, desto dringender wird der Bedarf nach einer offiziellen Nachlasslösung. Das soziale Netzwerk Facebook bietet eine Nachlassverwaltung bereits seit einiger Zeit an: In den Einstellungen eures Accounts könnt ihr eine Person festlegen, die im Falle einer Bestätigung eures Todes limitierte Zugriffsrechte auf euren Account erhält. Genutzt wird die Funktion beispielsweise nach terroristischen Anschlägen oder Morden, die Accounts werden dann mit einem „In Erinnerung an“ versehen. Aus eurem Profil wird ein digitales Grab, das jeder besuchen kann.

Technisch wäre eine entsprechende Lösung auch auf Steam denkbar: Im Falle eures Todes könnte eine Person entweder Zugriff auf alle eure Spiele erhalten oder auf bestimmte Titel. Das digitale Erbe könnte so weitergereicht werden, ohne einen Bruch des Nutzungsvertrags zu begehen.

Auch bei iTunes, Google Play und Konkurrenzplattformen wie Origin und Uplay ist derzeit kein Nachlass möglich. Die Lizenzen von hunderttausenden, wenn nicht Millionen Nutzern drohen für immer ungenutzt zu verenden.

Aus den Plattformen werden digitale Massengräber.

Nach Recherchen von: Eurogamer Mit Blick auf: Steam Nutzungsvertrag

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