PlayNation Test God of War

God of War - Der Geist Spartas in der nordischen Mythologie, kann das funktionieren?

Von Ben Brüninghaus - Test vom 18.04.2018 - 13:44 Uhr
God of War Screenshot

Kratos kehrt zurück -  älter, weiser und erwachsener denn je! Erstmals tritt der Geist Spartas mit seinem Sohn Atreus in den Mittelpunkt der Erzählung. Nun scheint auch das God of War-Franchise auf der aktuellen Konsolengeneration angekommen zu sein. Oder läutet es bereits die nächst mögliche Generation ein? Warum wir God of War mitunter für das beste Spiel auf der PlayStation 4 halten, erfahrt ihr nachfolgend in unserem Testbericht.

God of War feiert sein Debüt auf der PlayStation 4 und das mit einem Paukenschlag. Über fünf Jahre Entwicklungszeit investierte das Sony-Team von Santa Monica Studio in den Titel. Nun steht der Release vor der Türe und da stellt sich bei solch einem Setting zu Recht die Frage, ist God of War noch God of War?

Im Vorfeld gab es diverse Stimmen, die über die Zukunft des Franchises besorgt schienen, aber an dieser Stelle geben wir allem voran Entwarnung. Kratos hat einen Hechtsprung in die richtige Richtung gemacht und platziert sich so ein ganzes Stück vor diversen anderen Action-Adventures der aktuellen Konsolengeneration. Tatsächlich hatten wir keine gezielte Erwartungshaltung und dennoch ist der Titel in vielerlei Hinsicht so konzipiert, dass er uns als Spieler genau da abholt, wo wir schon lange verweilen mussten. God of War ist eine Symphonie aus Gameplay, Narrativ und audiovisuellem Konstrukt, das seinesgleichen sucht. Wir dürfen uns fortan mit Kratos in ein magisches Abenteuer stürzen, auf das viele Fans einer nordischen Mythologie schon lange gewartet haben.

Nordische Mythologie: Eine nötige Brücke

Ninja Theory hat mit Hellblade: Senua’s Sacrifice gezeigt, wie eine Interpretation der neun Welten der nordischen Mythologie aussehen kann. Hier haben wir unsere Zeit in Helheim verbracht, dem Reich der Totengöttin Hel. God of War geht noch einen Schritt weiter und präsentiert eine eigene Darstellung der neun Welten, die über den Weltenbaum Yggdrasil verbunden sind. Den Kriegsgott Kratos verschlägt es nun erstmals und allem voran nach Midgard. Doch das wird nicht die einzige Welt sein, die ihr zu Gesicht bekommen werdet. Die Welten, die ihr betreten dürft, bieten jeweils ein einzigartiges Artdesign, das unsere Vorstellungen übertroffen hat. Alte Geschichten rund um Odin, Freya, Thor und weitere nordische Götter erwachen hier buchstäblich zum Leben. Noch nie hat der Kampf gegen ein Nachfahre Thors so viel Spaß gemacht - wir können uns aber auch kaum entsinnen, jemals einen der Götter in solch einer Form begegnet zu sein.

Wir räumen ein, dass der Ansatz, Kratos ein Stück weit älter zu gestalten und ihn auf die nordische Mythologie loszulassen, vom Grundgedanken her vorerst absurd klingen mag. Aber die narrative Verbindung und die sinnbildliche Brücke, die über seine verstorbene Frau zum gemeinsamen Sohn Atreus führt, bietet den nötigen Anker, der das Setting dennoch kredibil erscheinen lässt. 
Und der Verbund von Kratos und Atreus bietet einen weiteren Aspekt im Spielgerüst, der für diese einzigartige Erfahrung unerlässlich ist. Das Vater-Sohn-Gespann ist ein schwieriges Geflecht, bestehend aus einem Kriegsgott als Vater und einem Sohn, den jungen Atreus, der es nicht immer einfach mit seinem Vater hat. So wächst er doch in einer erbarmungslosen Welt auf, in der jeder Schritt den Tod bedeuten könnte.

Hier spüren wir das erste Mal den Sprung des Franchises. Denn die Vaterrolle zwingt Kratos erwachsener und weiser aufzutreten sowie unentwegt konzentriert zu handeln. Dieser Ansatz im Verbund mit seiner Erfahrung und den Erlebnissen in der Vergangenheit: Schnell wird klar, dass nicht nur der Sohn einen regen Entwicklungsprozess im Laufe des Spiels durchmachen muss. Auch Kratos, wie es nahezu jedes Elternteil auf dieser Welt kenne dürfte, fällt es nicht immer ganz leicht, die richtigen Worte zu finden oder den Wünschen von Atreus nachzugehen. Das Gespann stellt sich als allumfassende Aufgabe für beide Seiten heraus, die am Ende der Erzählung in einer perfekten Figurenkonstellation aufgeht.

God of War: Die Midgardschlange Jörmungandr

Action-Gameplay, Schlüssel zum Erfolg?

Atreus ist es demnach auch, der euch im Kampf mit seinem Bogen tapfer zur Seite steht. Primär ist Kratos mit der Leviathanaxt ausgerüstet, die für mächtige Frostangriffe sorgt, und sein Sohn ist im Kampf nicht nur passives Beiwerk. Aktive Befehle während der einzelnen Schlachten zeigen, was sein Nachfahre schon in jungen Jahren leisten kann. Dabei schmiegt sich der Aspekt ganz wundervoll in den Rest des actiongeladenden Gameplays ein. Das Kampfsystem fährt mit einigen Grundangriffen auf, die durch Atreus und mächtigen Fertigkeiten der Leviathanaxt ergänzt werden. Ein reger Wechsel im Kampfstil sieht den Axtkampf und den Faustkampf vor, sobald ihr eure Axt auf einen mächtigen Feind schleudert. Das Beste aus Devil May Cry, Dark Souls und mit einem Fertigkeiten-Brett ausgesattet, das wir beispielsweise aus Horizon Zero Dawn kennen, sorgt dafür, dass Kratos im Kampf mit gigantischen Trollen und weiteren Wesen der neun Welten die nötige Mitte findet.

Ein simples Crafting-System, das euch nicht an ein humorvolles Zwergen-Duo vorbeiführt, bietet wie fast alles in God of War nicht zu viel und nicht zu wenig. So könnt ihr neue Waffen herstellen, eure Ausrüstung verstärken oder diverse Zauberkräfte erforschen. Hierbei fällt ein weiteres Detail ins Auge. Dadurch dass der Titel nicht mit unzähligen Waffen und Kleidungsstücken um sich wirft, freuen wir uns über jedes neue Item, das wir nach ausgeklügelten Kämpfen erhalten. Das Aufrüsten der Fertigkeitspunkte umfasst zudem die Kraft von Atreus. So werdet ihr langsam, aber spürbar stärker mit beiden Charakteren.

God of War: Zwerg und Händler

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