PlayNation Test Shadow of the Colossus

Shadow of the Colossus - Das beste Remake der PS4-Geschichte

Von Olaf Bleich - Test vom 05.02.2018 - 15:24 Uhr
Shadow of the Colossus Screenshot

Modernste Konsolen-Hardware, alte Spiele: Egal, ob Crash Bandicoot: N. Trilogy oder Uncharted: The Nathan Drake Collection – Neuauflagen beliebter Klassiker sind längst keine Geldschneiderei mehr. Shadow of the Colossus beweist, dass ein über zehn Jahre altes Action-Adventure im neuen Gewand heute noch ebenso fesseln kann wie am ersten Tag.

Für viele besitzen Remakes beliebter Spiele einen faden Beigeschmack. Einen alten Titel zu überarbeiten und anschließend auf der aktuellen Konsolengeneration zu veröffentlichen, klingt zunächst nach leicht verdientem Geld. Und so mancher ächzt sicherlich unter der Versuchung hart verdiente Euros in möglicherweise bereits erlebte Geschichten zu investieren.

Doch so oft es Kritik an Neuauflagen hagelte, so viel Begeisterung brandete bei der Ankündigung des Remakes von Shadow of the Colossus im Rahmen der letztjährigen E3 auf. Bluepoint Games, die Macher hinter Uncharted: The Nathan Drake Collection und Gravity Rush Remastered, holen das 2005 von Team Ico entwickelte Action-Adventure ins 4K-Zeitalter und setzen sich selbst und Shadow of the Colossus ein hochauflösendes Denkmal.

Die Einsamkeit des Seins

Bluepoint Games bestätigte bereits frühzeitig, dass man Shadow of the Colossus von Grund auf neu aufbauen würde. Das Team schraubt also nicht nur die Auflösung hoch und verpasst dem Programm ein paar frische Texturen. Stattdessen verändert Bluepoint Games Kleinigkeiten wie Schattenwürfe und die Darstellung von Nebel, nimmt sich aber zugleich auch die Spielwelt und die namensgebenden Kolosse selbst vor.

Und so verströmt Shadow of the Colossus bereits in den ersten Sekunden die Atmosphäre eines großen Abenteuers. Titelheld Wander galoppiert auf dem Rücken seines treuen Rosses Agro durch Wüsten und über Brücken, ehe er den Tempel der Dormin erreicht. Er hofft, dass die mysteriösen Geister seine Liebe, die bei einem Ritual getötet wurde, wieder zum Leben erwecken können. Doch die Stimmen stellen ihn vor eine grausige Aufgabe: Er muss 16 Kolosse töten, um das Leben seiner Freundin zu retten.

Das Remake lässt Spielprinzip und Gameplay nahezu unverändert. Kennern fallen lediglich einige Verbesserungen an der Steuerung – also etwa beim Aufsteigen auf das Pferd – auf. Jedoch wirkt die damals revolutionäre offene Spielwelt heute gar nicht mehr so frei. Stattdessen stören euch gelegentlich Barrieren und automatische Laufwege. Auch einem Klassiker merkt ihr dann zwischendurch das Alter an.

Wunderschön, traurig und ergreifend

Doch diese „Problemzonen“ schmälern den Spielspaß und die Emotionalität zu keinem Zeitpunkt. Shadow of the Colossus erweist sich als die nahezu perfekte Symbiose aus Gefühl, Design und Videospielkunst. Das Remake nimmt zwar keine elementaren Änderungen am Look vor, unterstreicht aber die Atmosphäre durch die fortschrittlichere Technik. Wirkte etwa die Spielwelt bereits in der 2011 veröffentlichten Neuauflage für PS3 gewaltig, sorgt die Sichtweite und die höhere Bildschärfe für noch mehr Eindrücke. Gerade auf der PlayStation 4 Pro erscheinen Höhen noch schwindelerregender und Schluchten noch beeindruckender. Dazu fallen immer wieder nette Details auf, die die zerfallene Spielwelt noch unterstreichen.

Doch die eigentlichen Hingucker bleiben die 16 Kolosse selbst. Sie flößen euch nicht nur Ehrfurcht ein, sondern begeistern auch mit herrlich flauschigem Fell und lebendigeren Animationen. Wenn ihr den ersten Koloss am Horizont erblickt, wird es euch eiskalt den Rücken runter laufen. So viel Schönheit, Anmut und Kreativität im Kreaturendesign findet man selten in Videospielen. Zu dumm, dass ihr ihn und seine Kameraden alle töten müsst. Als Werkzeuge dienen euch dazu Wanders Schwert sowie Pfeil und Bogen. Ihr erklimmt also die Giganten und sucht deren Schwachstellen.

Shadow of the Colossus Shadow of the Colossus Remaster auf der PS4 Pro mit 60 FPS oder 4K-Auflösung

Diese Kämpfe erinnern stark an ausufernde Umgebungsrätsel, in denen ihr den Weg zu besagten Punkten finden müsst. Da Wander im Gegensatz zu Bayek aus Assassin's Creed Origins beim Klettern gerne die Puste ausgeht, ist innerhalb der Gefechte ein wenig Taktik gefordert. Shadow of the Colossus jongliert im Verlauf mit euren Emotionen. Denn letztlich fühlt es sich falsch an, diese friedvollen Giganten aus egoistischen Gründen zu fällen. Das Spiel hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und die drastisch bessere Technik verstärkt diesen Effekt noch, da die Kolosse noch lebendiger und liebenswerter aussehen. Kurzum: Shadow of the Colossus berührt, begeistert und beeindruckt auch im Jahr 2018.

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