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South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe - Die extralange Superheldenfolge im Test

Von Lucas Grunwitz - Test vom 24.10.2017 - 15:28 Uhr
South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe Screenshot

Die Geschichte von South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe ist lang und steinig. Ursprünglich im Juni 2015 angekündigt, hätte die Fortsetzung zum Erfolgshit Stab der Wahrheit bereits Ende 2016 erscheinen sollen. Unzählige Verschiebungen später dürfen wir seit Mitte Oktober endlich ins neueste Abenteuer rund um Cartman, Kyle und co. schlüpfen und erneut allerlei wahnwitzige Abenteuer erleben. Wie sich das neue Superheldensetting schlägt und ob Entwickler Ubisoft in Kooperation mit den South Park Digital Studios an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Die South-Park-Kinder leben den Civil War

Freunde des ersten Teils dürfen sich freuen, denn Rektakuläre Zerreißprobe setzt nahtlos an den Inhalt von Stab der Wahrheit an. Noch immer schlüpfen wir in die Rolle des neuen Mitschülers, der gemeinsam mit Cartman und seinen Freunden einzigartige Abenteuer erlebt. Nachdem der Stab der Wahrheit ins rollenspielorientierte Setting einlud, dürfen wir im neuen Teil das Superheldengenre richtig auseinandernehmen.

Im Fokus steht dabei Cartmans Bestreben ein eigenes Superhelden-Franchise lukrativ zu machen – das schließt selbstverständlich eigene Kinofilme, TV-Serien sowie Merchandise ein. Selbst Cartman ist sich dabei bewusst, dass ein solches Unterfangen durch Geld finanziert werden muss, weshalb er „Coon and Friends“ zusammenruft, um eine vermisste Katze samt 100 Dollar Finderlohn einzustreichen. Analog zu Stab der Wahrheit sind die Kinder von South Park weiterhin gespalten, denn die Freedom Pals, angeführt von Professor Timothy, stehen ebenfalls nicht still. Ohne zu viel Inhalt vorwegzunehmen, entfacht ein wahrer Civil War, der dem Marvel-Original in keiner Weise nachsteht.

Allein dieses Civil-War-Setting signalisiert beeindruckend auf welch lustige Art und Weise das gesamte Superheldengenre samt deren Verfilmungen auf die Schippe genommen wird. Wir mussten herzlich lachen, als Cartman bereits in den ersten 30 Spielminuten seinen Franchise-Plan samt 40 Film- und Serienprojekten in drei Phasen präsentierte – Marvel lässt an dieser Stelle grüßen. Andererseits kommen auch aktuelle Serienfans auf ihre Kosten, denn Teile des neuesten Ablegers schließen nahtlos an die Inhalte der kürzlich veröffentlichten Folge „Franchise Prequel“ der neuen Staffel an, die auch im deutschen Fernsehen (mit deutschen Untertiteln) ausgestrahlt wurde.

Subtiler Humor mit deutschen Stimmen

Wie nicht anders zu erwarten, geizt Rektakuläre Zerreißprobe nicht mit typisch schwarzem Humor, wie wir ihn auch aus dem Serienoriginal kennen. Über den Fäkalhumor wollen wir nicht einmal so viele Worte verlieren, denn es war viel mehr der subtile Humor, der uns über weite Strecken des Titels herzlich unterhalten hat. Um ein Beispiel (samt kleiner Spoilerwarnung) zu nennen: Wenn ein betrunkener, in Unterhose bekleideter Randy Marsh (Bossgegner!) mit Captain Diabetes, einem Viertklässler, kämpft, weil er von diesem seine Autoschlüssel zurückhaben will, so fragt man sich nicht selten, was mit den Charakteren nicht ganz richtig ist. Wobei richtig wundern tut es uns auch nicht – eine ganz seltsame Mischung.

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Was im direkten Vergleich zum Vorgänger jedoch auffällt, ist, dass altbekannte South-Park-Elemente nicht so aufwendig in Missionen integriert wurden. Ohne Zweifel bieten uns alle Areale altbekannte Dinge zum Entdecken, doch dass diese Elemente wirklich Hauptbestandteil einer (Neben-)Mission sind, kommt unterm Strich doch deutlich seltener vor. Epische Boss-Fights wie gegen Schweinebärmann sind rar und wurden signifikant öfters durch neue Charaktere oder weniger bekannte Figuren ersetzt.

Richtiger South-Park-Flair entsteht hingegen wieder, wenn deutsche Gamer auf die bekannten Stimmen der deutschen Synchronisation zurückgreifen. Was ohne Zweifel ein dicker Pluspunkt ist, wird durch wahrgenommene Soundfehler leider wieder zur Nichte gemacht. An manchen Stellen wirken aufgenommene Sätze abgehackt und erzeugen so kein flüssiges Dialoggefühl. Dass sich beim Inhalt der Dialoge Mühe gegeben wurde, wird hingegen wieder deutlich. Selbst nach einigen Stunden Spielzeit fallen unterm Strich selten Sprüche, die bereits unzählige Male gefallen sind, denn seien wir ehrlich: Es gibt nichts schlimmeres als den gleichen Satz immer und immer wieder hören zu müssen. Stattdessen interagieren die einzelnen Charaktere wirklich gut miteinander und versprühen auch auf diesem Wege wunderbaren South-Park-Flair.

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