PlayNation Test What Remains of Edith Finch

What Remains of Edith Finch - So traurig und doch so schön

Von Patrik Hasberg - Test vom 05.05.2017 - 11:08 Uhr
What Remains of Edith Finch Screenshot

The Unfinished Swan-Entwickler Giant Sparrow erzählt in der interaktiven Novelle What Remains of Edith Finch eine wunderschöne und zugleich unendlich traurige Geschichte, die mitten ins Herz trifft. Warum der Titel eines der besten Erzählspiele der letzten Jahre ist und wie eine gut erzählte Geschichte ausschauen muss, erklären wir euch in unserem Test.

Fieser Familienfluch

Ein vermeintlich fieser Familienfluch lastet auf der Familie Finch. Durch tragische Todesfälle und Schicksalsschläge ist Protagonistin Edith die letzte noch lebende Finch. Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle der 17-Jährigen und erkunden im Jahre 2010 aus der Ego-Perspektive das riesige, mittlerweile verlassene  Anwesen der Familie. Auf einer Klippe stehend und durch immer neue Räume erweitert worden, besitzt das Gebäude große Ähnlichkeit mit dem „Fuchsbau“ der Weasleys aus Harry Potter.

Schon der erste Moment im Spiel, als wir mit Edith den Wald verlassen und das Familienanwesen zu Gesicht bekommen, lässt annähernd erahnen welch tieftraurige, aber auch wunderschön erzählte Geschichte uns in den kommenden drei bis vier Stunden erwartet.

Um What Remains of Edith Finch mit wenigen Worten in ein Genre-Korsett zu zwängen, könnte man den Titel als interaktive Novelle bezeichnen, vergleichbar mit Gone Home, Everybody’s Gone to the Rapture oder The Vanishing of Ethan Carter.

Wie eine verschlossene Zeitkapsel

Der Fokus des Spiels liegt ganz klar auf der Erkundung des Hauses, um die Familiengeschichte zu erfahren. Die Interaktionsmöglichkeiten halten sich zwar stark in Grenzen, trotzdem ist der Titel kein bloßer Walking Simulator, sondern setzt sämtliche Interaktivität clever ein, um die Handlung zu unterstützen. Auf richtige Rätsel müsst ihr hingegen verzichten. Die Schwierigkeit liegt viel eher darin, die verstreuten Mosaiksteinchen zu einem passenden Bild zusammenzufügen.

Mehrere Generationen haben in dem Anwesen der Familie Finch gelebt, jedes Zimmer ist durch Ediths Mutter nach dem Tod eines Familienmitglieds versiegelt worden. Durch geheime Zugänge können wir diese Schauplätze allerdings trotzdem betreten und stehen so jedes Mal in einer ganz eigenen Welt. Es ist, als ob wir nach langer Zeit als erste Person eine verschlossene Zeitkapsel öffnen und über ihren Inhalt staunen. Jjedes Zimmer ist so individuell gestaltet wie Menschen nun einmal sind.

Detailverliebtheit schreiben die Mannen von Giant Sparrow anscheinend groß. Fotos, Plakate, Spielzeug, Bücher, Pokale, Medaillen und mehr verraten viel über die Personen, die hier gelebt haben.

Im Vordergrund steht das tragische Ende eines meist viel zu kurzen Lebens. Die verschiedenen Tode der Familienmitglieder werden wie kleine Geschichten innerhalb der zusammenhängenden Handlung erzählt und sind teils kurz und teils komplexer aufgebaut. Eines haben diese aber immer gemeinsam, die Entwickler haben sich wirklich Gedanken gemacht und diese wunderschön, aber auch tieftraurig umgesetzt. Oft wird die Vorgeschichte, die zum plötzlichen Tod geführt hat, metaphorisch und künstlerisch abstrakt erzählt.

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