Test vom 27.01.2017 - 14:21 Uhr - Kommentieren
A Normal Lost Phone Screenshot

Mit A Normal Lost Phone von Accidental Queens erschien nun ein recht kostengünstiger Mysterytitel rund um wichtige Themen wie das Erwachsenwerden, Homophobie und Selbstfindung. In unserem ausführlichen Test erfahrt ihr, welche Fragen und Emotionen das Spiel aufwirft und für wen sich ein Kauf lohnt.

Das französische Entwicklerstudio Accidental Queens brachte nun gestern mit A Normal Lost Phone ein Spiel mit gesellschaftskritischem Inhalt auf den Markt. Der Titel wurde als Prototyp ursprünglich auf dem Game Jam 2016 entwickelt und staubte schon damals mehrere Preise ab. Die verbleibende Zeit bis zum jetzigen Release nutzte der Indie-Entwickler nicht nur, um noch weitere Rätsel ins Spiel zu bringen, sondern auch um bessere Grafiken, eine deutsche Umsetzung und mehr erzählerische Inhalte realisieren zu können.

Doch worum geht es denn jetzt eigentlich? Nun, eigentlich fängt alles ganz alltäglich an: Wir finden ein Handy und beginnen dieses zu durchforsten - ob nun aus purer Neugierde und Voyeurismus oder ehrlichem Interesse, um so den Besitzer ausfindig machen zu können, kann wohl im Nachhinein so genau niemand mehr sagen. Wir durchsuchen Nachrichten, E-Mails und Fotos und stoßen so auf elektronische Fußspuren im Internet, die es zu verfolgen gilt. Einige Apps später liegt ein ganzes Leben vor uns, ein Teil davon geheim, im Dunkeln gelebt, in der ständigen Sorge, entdeckt zu werden.

Wir lernen Sam kennen, einst Besitzer dieses Handys, bevor es in unsere neugierigen Finger gelangte. Frisch 18 geworden, ist der Protagonist irgendwie so gar nicht das, was sich seine Eltern wohl versprochen hatten, als sie ihn das erste Mal im Arm hielten und davon träumten, was aus ihrem Spross denn mal werden würde. Sportlich gänzlich uninteressiert, stattdessen leidenschaftlicher Harfenspieler und auch sonst irgendwie eher wenig klischeehaft männlich, gerät Sam mächtig in Bedrängnis, als er feststellt, dass er vielleicht nicht nur Mädchen mag...

Hier nimmt die Geschichte Fahrt auf, ist aber noch lange nicht zu Ende. Um euch die wirklich fiesen Spoiler zu ersparen, belassen wir es aber hierbei einfach bei der Andeutung, dass ihr auch nach diesem Test noch lange nicht wisst, was Accidental Queens noch für euch in petto hat. Viele Schicksale verschiedener Mitglieder der LGBT-Community (LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexuell, Transgender) erwarten uns. Wir erfahren wie unterschiedlich das eigene Umfeld sie behandelt, wenn das einzige, was sich wirklich geändert hat, doch eigentlich nur ihre sexuelle Orientierung ist.

Sam trifft es hier besonders schwer, ist seine Familie doch strikt konservativ und - reden wir nicht lange um den heißen Brei herum - homophob. "Meinen Eltern kann ich mich auf keinen Fall anvertrauen. Sie lieben mich nicht für das, was ich bin, sondern für das, was sie wünschten, das ich wäre", fasst er die Situation kurz für einen Vertrauten zusammen und beschreibt damit ein Gefühl, das wohl leider viel zu viele Kinder auch heute noch nachvollziehen können.

In A Normal Lost Phone dreht sich alles um Sam, denn er ist bisexuell.

Auch wenn der Fokus ganz klar auf Sams Geschichte voller Schmerz und Unsicherheiten liegt, erfahren wir am Rande auch noch jede Menge zusätzlicher Alltäglichkeiten: Die erste Liebe, der Umgang mit Sexualität, die erste Trennung, aber leider auch Selbsthass und Victim Blaming nach sexuellen Übergriffen. Der kleine Mysterytitel macht emotional - wütend, traurig und betroffen zugleich - und das soll er wohl auch.

"Homosexuelle Paare sollten keine Kinder adoptieren dürfen" heißt es da beim gemeinsamen Essen, es sei gut, dass das nahe LGBT-Zentrum abgefackelt worden sei, Worte wie "Anomalie" fallen und als Sam das erste Mal versucht, auch nur einen Teil der Wahrheit seiner damaligen Freundin anzuvertrauen, reagiert sie abweisend, ja fast angeekelt und mit dem Hinweis, falls das wirklich so sei, müsse er sich in Behandlung begeben.

Aus dem Wunsch heraus, sowohl die Liebe und Anerkennung seiner Familie zu genießen und sie nicht vor den Kopf zu stoßen als auch endlich einmal wirklich Sam sein zu dürfen, entschließt sich unsere Hauptfigur zu einer Art Doppelleben. Eine Weile geht das gut, bis auf einmal alles auffliegt: "Du bist echt ein Monster. Heute hast du dein wahres Gesicht gezeigt. Wenn du noch einmal den Fuß in den Treff setzt, erzähl ich allen dein Geheimnis." Was mit Sam passiert ist, könnt ihr ab sofort für gerade einmal 2,99 Euro selbst herausfinden. Entsprechende Versionen sind für PC, Mac, Linux, iOS und Android verfügbar, aber damit ist unser Test natürlich noch nicht zu Ende, denn es bleibt noch einiges zu sagen.

Victim Blaming - auch das thematisiert A Normal Lost Phone.

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Von Julia Rother Unser Team
A Normal Lost Phone
  • A Normal Lost Phone

  • Entwickler: Accidental Queens
  • Publisher: Plug in Digital Label
  • Genre: Adventure
  • Status: Released
  • Altersfreigabe: Keine Angabe
  • Release
  • PC: 26.01.2017
  • iOS: 26.01.2017
  • ANDROID: 26.01.2017
  • LINUX: 26.01.2017
  • MAC: 26.01.2017
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