PlayNation Test Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~

Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~ - Kurzweilige Crime-Novel aus Japan

Von Yannick Arnon - Test vom 25.10.2016 - 11:00 Uhr
Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~ Screenshot

Die Chancen dürften recht gut stehen, dass ihr beim Durchstöbern der Prämien von My Nintendo zum ersten Mal auf Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~ gestoßen seid. Die Promotion für den hiesigen Release im eShop des Nintendo 3DS hielt sich in Grenzen, der Launch Trailer zum Spiel ist auch nicht von Nintendo auf den deutschen YouTube-Kanal geladen worden. Trotzdem solltet ihr die Visual Novel mit dem etwas unhandlichen Titel aus dem Hause Arc System Works nicht links liegen lassen.

Einem Mörder auf der Spur

Ein anonymer Telefonanruf reißt zwei Kriminalbeamte des dritten Departments der Polizei von Tokio aus ihrem Schreibtischalltag. Koto Amekura und ihr Vorgesetzter Shounosuke Nanase, zuständig für ungeklärte Falle, erhalten von dem Anrufer einen Tipp, dass ein vor fünf Jahren als Unfall deklarierter Todesfall in Wirklichkeit ein Mord war. Ihr habt die Aufgabe, der Wahrheit hinter dem Vorfall auf die Spur zu kommen, indem ihr Beweise auswertet und verdächtige Personen befragt. Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~ für den Nintendo 3DS ist ein textlastiges japanisches Adventure, das stilistisch an Hotel Dusk: Room 215 und Last Window: The Secret of Cape West erinnert. Das ist nicht wirklich überraschend, da Game Director Taisuke Kanasaki und weitere ehemalige Mitarbeiter des inzwischen geschlossenen Studios Cing für die Entwicklung verantwortlich sind. Zur Aufklärung des Verbrechens nehmt ihr Beweismittel unter die Lupe und quetscht Verdächtige aus. Schritt für Schritt offenbaren sich euch neue Informationen, mit deren Hilfe ihr die Wahrheit über den Vorfall von vor fünf Jahren ans Licht bringt. Die Story folgt einem strikt linearen Ablauf und macht keinerlei Umwege bis zum Abspann. Abzweigungen oder alternative Enden gibt es keine.

Der Plot und das Skript selbst sind die Hauptattraktion und es gibt keine Rendersequenzen oder aufwändige Vertonung. Dialoge werden ausschließlich über Textboxen auf dem Touchscreen geführt, das ganze Spiel über gibt es nicht einen Mucks Sprachausgabe zu hören. Ihr müsst euch also auf die Story und das ungleiche Protagonistenduo einlassen, um Freude an dem Spiel zu finden. Koto ist ganz klar die Zielstrebigere von beiden und steht damit im Kontrast zu Shounosukes desinteressierter, fast schon apathischer Haltung. Die Unterhaltungen und das Zusammenspiel zwischen den beiden Charakteren tragen die Handlung, die im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern eine sehr ernste Grundstimmung besitzt. Es gibt keine Slapstick-Einlagen oder übertrieben gestikulierende Charaktere. Durch den Verzicht auf übernatürliche Elemente bleibt die Geschichte insgesamt glaubhaft, zumindest für ein Videospiel. Die meiste Zeit verbringt ihr mit Lesen, wie es für japanische Adventures üblich ist. Hin und wieder untersucht ihr Fotos, in dem ihr auf dem Touchscreen auf die Objekte tippt, die ihr euch näher ansehen wollt.

Nachdem ihr neue Erkenntnisse gesammelt habt, werden Verdächtige ausgefragt. In den Verhören wählt ihr zwischen Multiple-Choice-Antworten, um euer Gegenüber zum Reden zu bringen. Trefft ihr eine falsche Wahl, erhaltet ihr eine Strafe und euer Verhörpegel nimmt ab. Ist der Verhörpegel auf Null, musst ihr den Abschnitt noch einmal von Neuem starten. Die korrekten Antworten sind in der Regel auch vorhersehbar, wenn ihr nicht allzu genau auf das Story geachtet haben solltet. Hin und wieder müsst ihr auch selbst Mutmaßungen anstellen, was schon etwas kniffliger ist. Ihr habt aber meistens dank des Verhörpegels genug Spielraum, um euch mehr als einen Fehlgriff während des Verhörs zu erlauben. Im Spielverlauf gibt es eine einzelne Kopfnuss, die euch bei einem Fehler direkt mit einem Game Over maßregelt. Natürlich lässt sich jederzeit der Spielstand sichern und laden. Außerdem könnt ihr mit den X-Knopf ein Skript einsehen, in dem die letzten Dialoge aufgezeichnet werden. Während in Ace Attorney jeder erfolgreiche Einspruch ein kleines Erfolgserlebnis vermittelt, gibt es in Cold Case Investigations kein unmittelbar befriedigendes Gefühl vergleichbarer Art. Euch erwarten lediglich weitere Textboxen, mit denen die Handlung fortgesetzt wird.

Gerade als der Plot mit einem Twist an Fahrt gewinnt, startet auch schon der Abspann. Mit recht zügiger Lesegeschwindigkeit habt ihr das Spiel bereits nach anderthalb Stunden abgeschlossen, leider gibt es keinerlei freischaltbare Boni und damit auch nur wenig Anreiz, die Ermittlungen noch einmal zu durchlaufen. Bei einem Preis von knapp sechs Euro ist das noch eine angemessene Dauer, ein Kinoticket für einen Krimi würde euch mehr kosten. Die Inszenierung des Spiels kann nicht ganz mithalten, die begrenzten Animationen der Charaktere wiederholen sich mit der Zeit schnell. Vermutlich ist das eine Konsequenz dessen, dass man für die Produktion nur ein geringes Budget zur Verfügung hatte - und wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb es keine 3D-Unterstützung gibt. Für die Lokalisierung hat man das Setting und die Namen unverändert gelassen, hier wird euch kein Hamburger für eine Nudelsuppe vorgemacht. Wie schon Phoenix Wright: Ace Attorney – Spirit of Justice (den dazugehörigen Test findet ihr hier) von Capcom, ist auch Chase: Cold Case Investigations ~Distant Memories~ nur mit englischen Texten als Download im eShop erhältlich. Ein verschmerzbarer Kompromiss, da es zumindest einen EU-Release gab.

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