PlayNation Test Fragments of Him

Fragments of Him - Eine Geschichte über Liebe, Verlust und Emotionen

Von Julia Rother - Test vom 09.05.2016 - 11:35 Uhr
Fragments of Him Screenshot

Fragments of Him von Entwickler und Publisher Sassybot erzählt die Geschichte des jungen Mannes Will, der unerwartet an den Folgen eines Autounfalls stirbt. Zurück bleiben nicht nur seine Hoffnungen und Träume, sondern auch Menschen, die sein Leben teilten und nun versuchen mit dem Verlust klarzukommen. Fragments of Him berichtet von Verlust und Trauer, aber auch von dem Weg zu sich selbst zu finden und von den vielen kleinen Momenten im Leben, während denen wir Spuren in den Herzen anderer hinterlassen.

Und plötzlich sind wir tot

Es hätte ein Tag wie jeder andere sein sollen. Wir - in der Rolle eines jungen Mannes namens Will - greifen nach unserem Schlüssel, verlassen die Wohnung und halten kurz inne. Uns bleiben mehrere Möglichkeiten, uns zu verabschieden. Weil wir wissen was kommt, sagen wir der Person, die wir zurücklassen, dass wir sie lieben und wünschen ihr einen schönen Tag, eine Entscheidung, die uns später noch beschäftigen wird. Dann verlassen wir das Gebäude, steigen in unser Auto und fahren los. Verkrampft sitzen wir da und können kaum hinsehen, bis es schließlich soweit ist: Ein Knall, der Bildschirm wird schwarz und wir sind tot. Und damit beginnt Fragments of Him von Entwickler und Publisher Sassybot erst richtig.

Wir springen einige Momente zurück, sind wieder Will, lebendig, zweifelnd, hoffend. Wir denken nach über die Beziehung zu unserem Partner Harry, realisieren, dass wir den guten Dingen in unserem Leben viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken und überlegen dem Mann in unserem Leben einen Antrag zu machen. Erste Zweifel fokussieren sich vor allem auf unsere Großmutter: Ob sie wohl bei einer gleichgeschlechtlichen Trauung dabei sein würde?

Über Anforderungen und die Kraft, trotzdem seinen Weg zu gehen

Szenenwechsel. Wir lernen besagte Großmutter kennen, schlüpfen in ihre Haut und sind gelinde gesagt nicht besonders glücklich darüber. Denn die Frau ist keine Sympathieträgerin, zeigt sie sich zwar durchaus auch liebevoll, urteilt aber auch fortlaufend über Sohn, Schwiegertochter und Enkel und impft Letzterem wiederholt ein, dass ein großer Junge nicht zu weinen habe. Unser Herz zieht sich krampfhaft zusammen, als wir hören wie Will trotz Schmerzen versucht tapfer seine Tränen zu unterdrücken, nur um ihr zu gefallen. Er wird älter, entwickelt sich weiter, besagte Dame tut dies kaum. Fast bitter betont sie mehrmals ihr Missfallen darüber, dass Wills Ansichten etwas offener als ihre eigenen sind. Immer wieder heißt es, dass man sich anzupassen habe, um im Leben etwas zu erreichen, dass es sich nicht gehöre anderen seine Emotionen zu zeigen. Angepasst, unauffällig, normal, so hätte sie den Jungen gerne. Immer mehr Linien fügen sich wie von selbst zu unserem Bild von Will hinzu und zeichnen das Abbild eines Heranwachsenden, der sanft und gutmütig ist und niemanden verletzen möchte, trotz allem aber seine Ansichten vertritt und so hin und her gerissen ist.

Als die Großmutter zufällig beobachtet, dass Will einen Mann küsst, äußert sie sich bestürzt. In der Öffentlichkeit, wo jeder sie sehen kann? Sie habe ja immer gewusst, dass seine Ansichten ihn mal in Schwierigkeiten bringen würden... „Nach allem, was ich für ihn getan habe“, heißt es da, scheint sie doch das Gefühl zu haben, dass Will sich hier sein Leben ruiniert. Eine Lücke tut sich auf zwischen Enkel und Großmutter, die sich auch bis zu seinem Tod nicht vollkommen schließen wird. Ein dummer Grund, so sagt sie später selbst, aber diese Einsicht kommt zu spät. Ob er wusste, wie sehr sie ihn liebte? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Wenn Liebe nicht genug ist

Wir treffen auf Sarah, die Ex-Freundin, die sich im College in Will verliebte und ihn schließlich schweren Herzens an Harry freigab, weil sie sich für den, den sie liebte ein glückliches Leben wünschte. Es ist ihre Selbstlosigkeit und der Schmerz auf beiden Seiten, die uns das erste Mal die Tränen in die Augen schießen lassen. Der Druck auf der Brust ist schon länger da, unterschwellig und doch immer präsent und mit jeder Szene steigt unsere Traurigkeit langsam an.

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