PlayNation Test Wolfenstein: The New Order

Wolfenstein: The New Order - Der beste Shooter des Jahres?

Von Christian Liebert - Test vom 30.05.2014 - 16:31 Uhr
Wolfenstein: The New Order Screenshot

Sind wir mal ehrlich: So richtig viel falsch machen kann man bei Solo-Shootern eigentlich nicht. Hauptsache es knallt, und zwar ordentlich. Exakt aus diesem Grund wird gerade dieses Genre mit Adleraugen begutachtet und vehement nach dem Teufel im Detail gesucht. Benimmt sich die KI anständig? Funktionieren die Waffen glaubhaft? Wie offen sind die Level? Kaum ein Genre wird so stark durchleuchtet, wie eben das der virtuellen Ballermänner. Dass uns dabei gerade so eine alte Klamotte wie Wolfenstein derart begeistert, ist schon fast ein Wunder. Bethesda und Machine Games neues Baby macht aber auch sehr vieles richtig und kann fast auf ganzer Linie überzeugen. Warum? Das verraten wir euch nun im Test.

Die Neugeburt eines Messias

Obwohl DOOM heutzutage als der erste Shooter überhaupt gesehen wird, stimmt das eigentlich gar nicht. ID Soft, die Macher des Bösen, haben nämlich bereits ein Jahr zuvor mit einem hierzulande indizierten Spiel, das zufällig auch Wolfenstein mit im Namen trägt, die technische Grundlage für ihren baldigen Durchbruch gelegt. Dabei war dies noch gar nicht der Start der „Böser Wolf“-Serie, die schon Jahre zuvor als Platformer begann. Ihr seht also, Wolfenstein begleitet die Spielewelt schon seit ihren Kindertagen. Leider in Deutschland immer auf dem Index. Das liegt ganz einfach am Kernelement des Shooters: Nazis. Verbotene Symbole, Österreicher mit komischem Schnauzbart und eine gehörige Portion Blut. Das war Jugendschützern schon in den frühen 1990ern ein Dorn im Auge. Die Debatte über diese zweifelhafte Politik verkneifen wir uns an dieser Stelle. Aber ja, Wolfenstein hatte es schon immer schwer. Kaum ein Teil blieb uns erhalten, immer wurde irgendwas gefunden, was eine Beschlagnahmung begründete.

Diesmal sollte alles anders laufen, haben sich Bethesda und das junge Studio Machine Games aus Schweden gesagt, als sie Wolfenstein: The New Order 2013 enthüllten. Der Masterplan: Die Inhalte soweit ändern, dass ihr Shooter in Deutschland durchgewunken wird, während die Gewalt voll erhalten bleibt. Und das tut sie! Der neue Wolf ist ein Shooter erster Klasse, mit viel Krach und Bumm und wenig Hemmungen, das ganze Blutbad in irgendeinem Rahmen zu halten. Finden wir gut? Oh ja!

Das Böse gewinnt

Bitte wundert euch nicht, dass wir hier nur über ein „Regime“ schreiben, wie die Nazis in der deutschen Fassung von Wolfenstein: The New Order genannt werden. Im Grunde wissen wir ja alle, wer diese „reinen Menschen“ aus Germania sind oder besser, wer damit gemeint ist. Zumindest haben eben diese fiesen Burschen in einer fiktiven Historie den Krieg gegen die Welt gewonnen. Mit der Hilfe von riesigen Robotern, Atombomben und einem wahnsinnigen Wissenschaftler namens Totenkopf. Im ersten der 16 Kapitel sehen wir den letzten verzweifelten Versuch der USA, den Terror aus Mitteleuropa zu stoppen. Auf einer Insel in der polnischen Ostsee soll die entscheidende Schlacht stattfinden. Wir übernehmen, wie schon immer, die Rolle von William "B.J." Blazkowicz, einem Elitesoldaten. Während uns die Steuerung erklärt wird, stolpern wir durch Schützengräben, eine Bunkeranlage und stürmen schließlich die Festung von General Totenkopf. Alles läuft nach Plan, bis uns die hässliche Visage in eine Falle lockt und wir seine ganze Grausamkeit zu spüren bekommen. Zwar kann Blazkowicz fliehen, nachdem wir uns zuvor für einen Handlungsstrang entscheiden mussten, doch ein Schrapnell trifft ihn am Hinterkopf und er fällt bewusstlos in die kalte Ostsee. Zwar eilen ein paar Fischer zur Rettung, aber mit dem 10cm langen Stück Metall im Hinterkopf verfällt Blazkowicz in ein Wachkoma, aus dem er erst 14 Jahre später wieder erwacht.

Szenenwechsel: Wir befinden uns in einer Irrenanstalt in Polen, die ganz untypisch für die Spielewelt sogar recht wohnlich scheint. Sogar die hübsche Schwester Anya scheint unserem Supersoldaten zu gefallen. Aber leider bleibt die Fröhlichkeit nicht bestehen, denn kurz nach einer sehr atmosphärischen Zwischensequenz erscheint das Regime und ballert alles in Grund und Boden. Es wird Zeit für B.J., sich wieder zu erheben. Das ist auch nötig, denn die ollen Deutschen haben sich bereits die ganze Welt unter den Nagel gerissen und feiern ihre faschistoide Diktatur. Da müssen wir auf jeden Fall mal die Machete tanzen lassen.

Ramba Zamba gegen das Nazi-Reich

Wolfenstein: The New Order ist ein Shooter, wie er im Buche steht. Mit einem übersichtlichen, aber durchschlagkräftigen, Arsenal an Krachmachern geht es in die Schlacht. Dabei fällt positiv auf, dass wir so gut wie alle Waffen wahlweise im Akimbo-Stil benutzen können. Egal ob tödliche Sniper, heftige Pumpgun oder flinkes Maschinengewehr: Wir haben nicht viele Waffen, aber sie reichen locker aus. Dabei orientiert sich Wolfenstein am klassischen Konzept. Anstatt immer nur eine Knarre dabei zuhaben, umfasst unser Inventar jeden Ballermann, den wir so finden. Dabei müssen wir aber nicht immer mitten in die Action stürmen. Zwei Kampfmesser sorgen, bei vorsichtigen Verhalten, für gekonnte Stealth-Einlagen, die auch ausreichend belohnt werden.

Wenn Blazkowicz nämlich von Kommandanten gesehen wird, schlagen diese Alarm, was sehr viele Gegner auf den Plan ruft. Intelligenter wäre es also, diese vorher lautlos auszuschalten. Zur Ortung können wir ihren Signalen folgen, die unser Headset empfängt. Schaffen wir es, die Kommandanten hinterrücks zu beseitigen, werden auf unserer Karte alle interessanten Orte des Levels markiert, wo wir Secrets finden können. Die Karten selbst sind immer irgendwo in den Räumlichkeiten zu finden, aber stets logisch platziert. Zusätzlich gibt es noch persönliche Briefe und Zeitungsausschnitte, die uns mehr über die Geschichte verraten. Das lässt uns noch tiefer in die Welt eindringen und hoffen, dass dieser Albtraum niemals Realität wird.

Die Kapitel an sich sind sehr offen gestaltet. Fast immer gibt es, wenn es denn Sinn ergibt, mehrere Wege, die man gehen kann. Oft lohnt es sich aber alles zu erkunden, alleine schon um mehr Rüstung und Munition zu finden. Auch Lebenspunkte regenerieren sich nicht wie aus Battlefield und Co. gewohnt automatisch, sondern müssen mit traditionellen Medipacks aufgefüllt werden. Lediglich bis zu 20-HP stellt Blazkowicz automatisch wieder her. Ein intuitives Perk-System verbessert unsere Werte. Dafür braucht es aber keine Skillpunkte oder Ähnliches, es müssen lediglich diverse Voraussetzungen erfüllt werden. Dies geht recht schnell, was natürlich etwas schade, aber kein Kritikpunkt ist.

In Sachen Gegner-KI ist Wolfenstein eher durchwachsen. Zwar kann sich die Schwierigkeit, die wir aus fünf verschiedenen Graden auswählen können, streckenweise sehen lassen und ist nicht zu verachten. Doch unser Kanonenfutter ist nicht immer die hellste Birne im Lampenladen. So suchen die Regime-Kämpfer gerne Deckung und schießen scharf. Dafür sind sie aber auch oft blind und gewinnen eher durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit. Wer echten Anspruch will, sollte also gleich auf der höchsten Stufe loslegen.

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