PlayNation Test Deadpool

Deadpool - Ein Tag mit dem Merc With A Mouth

Von Yannick Arnon - Test vom 10.07.2013 - 12:39 Uhr
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Wie oft kann man einen Killing Joke erzählen?

Für eine Comic-Umsetzung ist Deadpool entsprechend bunt ausgefallen, von Epic Games Unreal Engine 3 ist man jedoch Besseres gewohnt. Gerade aus der Nähe machen einige Texturen keine besonders gute Figur, noch dazu hat die Framerate bei zu viel Action auf dem Bildschirm Probleme damit konstant zu bleiben. Mit dem Design gewinnen die High Moon Studios keinen Innovationspreis, bei all den schlauchförmigen Levels und sich wiederholenden Settings, wie Ruinen und Kanalisationen. Mister Sinisters Plan involviert die Aufstellung einer Klon-Armee, damit rechfertigt man nicht nur Horden an gleich aussehenden Fußsoldaten, sondern auch recycelte Bossfights. Überhaupt wirkt das Leveldesign an vielen Stellen nicht besonders durchdacht. Was bringt es einen Abschnitt mit zufälligen Objekten zu füllen, wenn beispielsweise Luftballons nicht unter Beschuss zerplatzen? In akustischer Hinsicht hat man deutlich bessere Arbeit geleistet, neben ein paar lizenzierten und intelligent eingesetzten Musikstücken kann auch der eigens komponierte Score mit seinem leicht rockig angehauchten Touch gefallen. Die größte Wonne für eure Ohren ist jedoch die Sprachausgabe. Ganz besonders ist hierbei Nolan North in der Hauptrolle hervorzuheben, der alle drei Persönlichkeiten von Deadpool vertont hat. Der Sprecher, der in der Vergangenheit unter anderem auch als Nathan Drake in Uncharted zu hören war, hat stimmlich den Nagel fast schon beängstigend auf den Kopf getroffen und man nimmt ihm die Rolle des leicht psychopathisch veranlagten Antihelden ab. Er scheint bei der Aufnahme auch hörbar viel Spaß gehabt zu haben. Die Sprachausgabe liegt ausschließlich auf Englisch vor, wer der Sprache nicht mächtig ist, kann auf Untertitel zurückgreifen. An mehreren Stellen kann die Übersetzung jedoch den Witz ruinieren, wenn ein Wortspiel sich nicht sinngemäß übersetzen lässt.

Man muss schon zum Lachen in den Keller gehen, wenn man in den Zwischensequenzen kein breites Grinsen im Gesicht hat.

Das definierende Charakteristikum von Deadpool ist ohne Zweifel der Humor, doch selbst dieser kann sich schnell abnutzen. Wo euch vorher die Seiten vor Lachen wehgetan haben, kann euch beim zweiten Durchlauf bestenfalls ein Schmunzeln abgerungen werden. Die weiter oben zitierte Szene mit den Achievements ist ein gutes Beispiel dafür, denn wenn vor DPs Kommentar keine Benachrichtigung aufpoppt, will der Witz nicht so richtig zünden. Hinzu kommt, dass Deadpool wenig Langzeitmotivation zu bieten hat. Als nach gerade einmal sechs Stunden der richtige Abspann nach einem enttäuschenden Finale läuft, fühlt sich das Ende sehr abrupt an. Alternative Kostüme für die Story, Artworks etc. lassen sich nicht freischalten, die einzigen Boni sind ein paar animierte Biografien zu Charakteren aus der Kampagne, auf die ihr schon zu Beginn Zugriff habt. Einzig und allein für die für Waffen und Upgrades notwendigen DP-Punkte lohnt es sich die Story oder einzelne Kapitel ein zweites Mal durchzuspielen. Es gibt von jedem der Kapitel eine Challenge Map, nach dem Motto: "Hm, wir haben noch die Assets von der Umgebung und den Gegnern, also ab dafür!" Wirklichen Ansporn wollen diese Maps nicht wecken, zumal keinerlei Belohnung wartet, die ein Absolvieren der Abschnitte rechtfertigen würde. Kurzum, wer mehr als nur gelegentlich in Comics von Marvel schmökert, wird an einem öden Wochenende zwei Nachmittage lang ganz anständig unterhalten. Im Endeffekt lässt sich das Spiel exzellent mit Deadpool selbst vergleichen. Lässt man sich erst einmal auf ihn ein, sind Lachanfälle am laufenden Band garantiert und die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen. Nach mehreren Stunden und eingehender Beschäftigung beginnt die Freude allmählich zu verfliegen und wenn ihr einen genaueren Blick unter die Maske werft, offenbart sich kein besonders schöner Anblick.

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