PlayNation Test Sniper: Ghost Warrior 2

Sniper: Ghost Warrior 2 - 'Tango down' - Ziel um Meilen verfehlt

Von Patrik Hasberg - Test vom 09.04.2013 - 11:45 Uhr
Sniper: Ghost Warrior 2 Screenshot

Der Sniper-Shooter aus dem Hause City Interactive versucht begangene Fehler zu vermeiden, stolpert dabei über massenhaft technische Probleme und patzt spektakulär bei der deutschen Übersetzung. Ob es sich trotzdem lohnt, das Scharfschützengewehr zu schultern, erfahrt ihr in unserem Test zu Sniper: Ghost Warrior 2.

„Waidmanns heil“, ruft uns unser Spotter entgegen. Verdutzt bringen wir nur ein „Waidmanns dank!“ hervor und schauen zur Sicherheit noch einmal auf unserer Spieleverpackung nach. Aber doch, dort in roten und weißen Lettern prangt der Schriftzug: Sniper: Ghost Warrior 2. Wir sind also nicht beim deutschen Jägerbund gelandet, sondern ärgern uns über die schlechte deutsche Synchronisation und Übersetzung des Scharfschützenspiels.

Nun gut, denken wir uns zu Beginn des Spiels noch und stempeln die Szene unter „kann ja mal passieren“ ab, schultern unser Gewehr und folgen brav unserem Kollegen durch das dichte Gestrüpp des philippinischen Dschungels. Auf den ersten Blick gefällt uns die gebotene Urwaldkulisse, in saftigen Grüntönen gehalten, und wir beobachten, wie einige Sonnenstrahlen durch das dichte Blattwerk dringen und den Waldboden vor uns erreichen. Kein Wunder, basiert Ghost Warrior 2 doch auf der brandneuen CryEngine 3, die gerade erst in Crysis 3 eindrucksvoll unter Beweis stellte, wie moderne Titel heutzutage aussehen können. Die Erwartungen sind also hoch, zumal die auf der Rückseite versprochenen Lobpreisungen einen echten Top-Titel vermuten lassen.

Nach ersten Gehversuchen laufen wir als der Scharfschütze Cole Anderson unserem Spotter hinterher und machen uns mit der Steuerung vertraut, die im Grunde eigentlich keiner großen Erklärung bedarf. Mucksmäuschenstill knipsen wir die ersten Gegner aus – ganz nach dem Call-of-Duty-Prinzip in der berühmt berüchtigten Chernobyl-Mission in Modern Warfare. Unser Kamerad schaltet den Linken, wir den zu unserer Rechten aus.

Während wir wie ein Busch getarnt unserer Mission nachgehen, dessen näheren Sinn wir nach gefühlt einer Minute wieder vergessen haben, wohl aber Terroristen und gefährliche Biowaffen darin keine ganz unwesentliche Rolle spielen, und dabei nach bestem Gewissen versuchen, den Worten unseres KI-Kollegen Folge zu leisten, stellt sich schnell Ernüchterung ein. Sniper: Ghost Warrior 2 spielt sich nicht wirklich anders als der bereits enttäuschende Vorgänger, obwohl Entwickler City Interactive laut eigener Aussage bekannte Schwächen behoben hat. Zwar gibt es die extrem nervigen Action-Einlagen nun nicht mehr und es wird krampfhaft versucht, uns mehr Schleichsequenzen zu bieten, wirklich zu funktionieren scheint dies im fertigen Spiel allerdings nicht.

Steam-Pflicht
Sniper: Ghost Warrior 2 muss über die Spieleplattform Steam aktiviert werden.

Auf den ersten Blick gefallen die einzelnen Schauplätze durch hübsche Lichteffekte, bei genauerem Hinsehen offenbaren sich allerdings einige technische Mängel. Von der schlechten deutschen Übersetzung wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Beschränkte Gegner & Möglichkeiten

Unsere Gegner sind alles andere als clever und hören uns nicht einmal, wenn wir lauthals hinter ihrem Rücken herumspringen und ein Lied trällern. Zwar scheinen die bösen Buben eine Menge Zielwasser geschluckt zu haben und treffen uns, ob mit Scharfschützen- oder normalem Gewehr, auf jede Distanz absolut zuverlässig, zu lachen hat die gegnerische KI allerdings nur sehr wenig. Denn unsere Geheimwaffe ist mitnichten unser allseits begleitendes Scharfschützengewehr, sondern viel mehr unsere Sekundärwaffe. Selbst auf hoher Entfernung schalten wir mit unserer Pistole sämtliche Gegner schnell und effizient aus. Dabei reicht meist ein einzelner Schuss, um die gegnerischen Soldaten schlafen zu legen. Da stellt sich die Frage: Warum Drumherum schleichen, wenn wir einfach die gesamte vor uns marschierende Patrouille ohne Probleme ausschalten können? Viele andere Möglichkeiten werden uns jedoch auch nicht wirklich eingeräumt. Anders als in der „Scharfschützensimulation“ Sniper Elite bekommen wir keinerlei Extras an die Hand, um beispielshalber Gegner mit Steinen abzulenken oder unseren Rücken durch nützliche Claymores abzusichern.

Einzig über ein Nachtsicht- beziehungsweise Wärmebildvisier verfügen wir von Mal zu Mal und kommen uns damit ausgerüstet eher wie ein übermächtiger Hacker in dem Zombie-MMO The WarZ vor. Und warum wir nicht einmal gegnerische Waffen aufheben können, obwohl Anderson vor kurzem die gesamte Ausrüstung gemopst worden ist und über Munitionsknappheit jammert, bleibt uns ein Rätsel.

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