007 Legends: Hey Kellner, bitte noch einen Martini...

Von Yannick Arnon am 07.12.2012 - 11:24 Uhr

Nanu, ein neues Bond-Spiel und noch dazu ein Ego-Shooter? Das kann ja nur für Unmengen an Spaß stehen – zumindest auf dem Nintendo 64. Im Sektor der elektronischen Unterhaltung schaffte es der smarte Agent mit der Vorliebe für schöne Frauen, schnelle Autos und trockene Martinis leider noch nicht, ähnliche Begeisterungsstürme wie vor 15 Jahren auszulösen. Dank Skyfall ist der Mann mit der Lizenz zum Töten auch wieder auf der Leinwand präsent, aber besticht Activisions Titel 007 Legends mit ähnlicher Qualität?

James Bond: Greatest Hits (1964-2012)

007 Legends basiert nicht auf einer einzelnen Spielfilmvorlage, sondern versammelt die denkwürdigsten Momente aus ausgewählten Streifen. Kapitel aus Goldfinger, Im Geheimdienst ihrer Majestät, Lizenz zum Töten, Moonraker – Streng geheim und Stirb an einem anderen Tag sind auf der Disc enthalten, ein Missions-Paket zum aktuellen Kassenschlager Skyfall ist als kostenloser Download erhältlich. Hier beginnt auch die Kampagne, als sich Bond in Istanbul eine Kugel einfängt. Schwer verletzt stürzt er in einen Fluss, dort zieht vor seinem geistigen Auge noch einmal sein bisheriges Leben vorbei. Wo bei anderen Menschen die Erinnerungen an langweilige Familientreffen oder die erste Fahrstunde abgerufen werden, spielen sich im Kopf des MI6-Agenten ganz andere Szenen ab, nämlich die Schlüsselszenen aus den oben erwähnten Filmen. Und so dauert es keine fünf Minuten nach Beginn des Intros, bis eine Variation des markanten Goldfinger-Themes ertönt. Nach und nach spielt ihr euch durch die Highlights der erwähnten Spielfilme, wie zum Beispiel den Angriff auf Fort Knox oder das Duell mit Gustav Graves. Dass die Herren Brosnan, Connery, Dalton, Lazenby und Moore mal eben mit dem Fleisch gewordenen Schlafzimmerblick Daniel Craig ersetzt worden sind, stellt schon einen Akt der mittelschweren Blasphemie dar. Einerseits dürfte dies eine Copyright-Angelegenheit sein, vor allem versucht man die Filme aus Gründen der Kontinuität in den sechs Jahren zwischen Ein Quantum Trost und Skyfall anzusiedeln. Das erklärt dann auch offensichtliche Anachronismen, wie dass Bond schon in den eigentlich in der Zeit des Kalten Krieges stattfindenden Kapiteln ein ausgebufftes Agenten-Smartphone mit sich in den Einsatz führt. Damit werden elektronische Geräte gehackt, Fotos geknipst und forensische Daten gesammelt. Den Großteil der Spielzeit werdet ihr aber mit Feuergefechten gegen ewig gleich aussehende Handlanger verbringen.

Ihr werdet nie erraten, welche ebenfalls von Activision stammende Shooter-Reihe als Vorbild für das Gameplay hingehalten hat.

Ich wäre gerne Snake, Solid Snake!

Neben dem Schwierigkeitsgrad wählt ihr zu Beginn auch aus, ob ihr entweder "modern" mit selbstständig regenerierender Gesundheit oder "klassisch" mit Medipacks spielen wollt. Das hat tatsächlich mehr Einfluss auf den Anspruch als die Wahl des eigentlichen Schwierigkeitsgrades und führt vor Augen, wie verweichlicht man nach dem Spielen von Halo, Call of Duty & Co. geworden ist. Bis zu drei Waffen plus Granaten kann Bond tragen, eure aktuelle Waffe darf jederzeit gegen einen auf dem Boden liegenden Schießprügel eingetauscht werden. Steht ihr dem Gegner direkt gegenüber, könnt ihr ihn mit dem rechten Analogstick mit einem Martial-Arts-Move unschädlich machen. Abseits des geistlosen Geballers hat man sich bemüht, Stealth-Gameplay zu einem wichtigen Bestandteil zu machen. In der Regel ist die Leisetreter-Nummer optional, hin und wieder wird aber von euch verlangt, einen Abschnitt unerkannt zu passieren, ansonsten wird die Mission als fehlgeschlagen abgehakt. Das mag an dieser Stelle gar nicht so übel klingen, aber hierbei hat Entwickler Eurocom kein glückliches Händchen bewiesen. Auch wenn ihr entdeckt wurdet, verfallen die Gegner nach kürzester Zeit wieder in den Normalzustand zurück. Selbst kleinste Fehler werden sofort bestraft und kommen wegen des etwas undurchschaubaren HUDs beim Schleichen immer wieder vor. Ausgeknockte Körper lassen sich nicht wegschaffen, im Zweifelsfall könnt ihr genauso gut jede Wache im Raum einfach umnieten, das spart Zeit und Nerven. Anders sieht es aus, wenn ihr zum Schleichen gezwungen seid. Diese Abschnitte werden schnell frustrierend, wenn ihr regelmäßig vom letzten Kontrollpunkt starten müsst. Durch die Ego-Perspektive habt ihr eure Umgebung nicht gänzlich im Blick, ein Radar wie in Metal Gear Solid wäre die sinnvollste Lösung. Die KI macht wie erwartet nicht den hellsten Eindruck. Verschanzt euch einfach in einer halbwegs sicheren Ecke und beobachtet in den nächsten Minuten, wie die Gegner einer nach dem anderen blindlings auf euch zugestürmt kommen. Auf eurem Weg von der einen Zielmarkierung zur nächsten machen euch die Gegner nur wegen ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit zu schaffen.

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