PlayNation Test I Am Alive

I Am Alive - PC-Test: Abgründe in düsteren Zeiten

Von Thomas Wallus - Test vom 10.09.2012 - 14:15 Uhr
I Am Alive Screenshot

Wer glaubt, eine von Katastrophen geplagte Welt vereine Überlebende und schweiße verschiedenste Charaktere sämtlicher Herkunft zusammen, der irrt mit dem Glauben an das Gute in uns mit etwas Glück nicht. Ginge es aber nach dem von Ubisoft Shanghai im Survival Action-Adventure I Am Alive verwirklichten Szenario, hätten nur die Wenigsten im Anblick der vermeintlichen Endzeit noch eine Chance auf Hoffnung, denn in der Stadt Haventon freunden sich zahlreiche, obdachlos gewordene Verbliebene eher mit einem Haufen Knochen an, als es mit denen, die das eigene Schicksal teilen, zu versuchen.

In eben diesem tristen Umfeld treten wir mit unserem Charakter, einem der wenigen auffindbaren Gutmenschen, die Suche nach Frau und Kind an – unwissend, dass die Waffen in den Händen unserer Feinde noch einen der kleineren Abgründe darstellen, in welchen es hinabzublicken gilt.

Kein Wunder auch, denn zu Beginn weiß man die kürzlich betretene Spielwelt nur schwer einzuordnen. Mit weitreichenden Informationen spart I Am Alive anfänglich nämlich. Alles, was sich einem erschließt, ist die Tatsache, dass man sich als einsame Figur inmitten einer in Grau- und Sandtöne gefärbten Welt voller Zerstörung befindet. Ursprung des Unheils ist dabei ein als Ereignis betitelter Vorfall, der rund ein Jahr vom gegenwärtigen Geschehen zurückliegt. Kaum überraschend, dass das Adventure mit diesem Geheimnis um die Geschichte von Haventon schon gleich zu Beginn große Neugier weckt und den Abenteurer mit einem kleinen Motivationsschub auf seine Reise entlässt.

Ehe sich so die ersten Details am Horizont zu erkennen geben, marschiert man mit seinem Alter Ego in Richtung Stadt, um das eigene Appartment nach den Monaten des Unheils wiederzufinden. Marschieren ist dabei leichter gesagt als getan, denn der Survival-Titel lebt insbesondere eben nicht vom hürdenlosen Wandern, sondern setzt stattdessen auf einen wahren Hindernislauf. Nachdem man sich auf diesem Wege und im Zeichen des ersten Parkours durch das hilfreiche und gut gelungene Tutorial geklettert hat, offenbaren die ersten Story-Fetzen auch endlich, wieso statt Fußgängerwegen eher schwer überwindbare Schluchten und Trümmerberge die Straßen der Metropole schmücken. Bei dem eingangs erwähnten Ereignis handelt es sich nämlich um ein Erdbeben gigantischen Ausmaßes, das trotz seines Auftretens vor einem Jahr noch immer zahlreiche Nachbeben hervorbringt. Wenige Tage später fand sich Haventon zudem in einer Wolke aus Staub und Asche wieder. Derartige Einzelheiten erfährt man aber erst im Spielverlauf. Besonders gelungen ist Ubisoft daher die Einbindung dieser geschichtlichen Aufarbeitung in die Spielwelt. Wer wirklich alle Geheimnisse der Katastrophe zu lüften versucht, erlangt neue Erkenntnisse insbesondere durch die Hilfe für die zahlreichen Opfer – das heißt abseits des aus 21 Episoden bestehenden Hauptstory-Strangs.

Mit dem namenlosen Held streifen wir durch die zerstörten Landstriche. Das Event hat weite Teile des Landes übel zu gerichtet.

Eben dieser fällt sonst nicht sonderlich komplex aus. Wie bereits erwähnt, starten wir unser Abenteuer mit der Suche nach unserer Tochter Mary und Frau Julie. Als wir mit Mei aber ein anderes kleines Mädchen, das unserem eigenen Kind ähnelt, auf der Straße entdecken, rückt die eigene Familie nicht nur vorerst in den Hintergrund und die eigenen Taten beginnen sich um das Wohl von Mei und deren Mutter zu drehen. So die Kurzfassung, die der letztendlichen Aufmachung gerecht wird, denn im Rahmen der dezimierten Zahl der Menschen ist auch die Vielfalt der Charaktere und Beziehungen flöten gegangen. Eine Bindung baut sich daher nur zu dieser einen Familie auf. Das ist etwas schade und doch fast ausreichend, denn eigentlich dient der rote Faden nur dazu, unseren Hindernisläufen ein Ziel vorzugeben. Maßgeblicher für das eigentliche Spiel ist daher die Ursache der zerstörten Welt, die uns in den Episoden einige Anstrengung abverlangt.

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