PlayNation Test Ninja Gaiden 3

Ninja Gaiden 3 - Ninja-Action mit Schutzumschlag

Von Yannick Arnon - Test vom 13.08.2012 - 11:39 Uhr
Ninja Gaiden 3 Screenshot

2008 kam es zum Bruch zwischen Tomonobu Itagaki und Tecmo. Auch wenn der Japaner mit Sonnenbrille und Lederkutte als eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten im Business gilt, kann man nicht von der Hand weisen, dass sein kreativer Input für Tecmo von unschätzbarem Wert war. Schließlich war es Itagaki, der nicht nur Dead or Alive kreierte sondern 2004 auch Ninja Gaiden aus der Versenkung hervorholte und zu einer Genre-Referenz für Action-Titel machte. Mit Ninja Gaiden erscheint erstmals ein neuer Titel aus der Reihe ohne seine Mitwirkung, aber rockt das Spiel genauso sehr wie seine Vorgänger?

Vom Badass zum Emo?

Eine unbekannte Gruppe von Terroristen hat London in ihre Gewalt gebracht und hält den britischen Premierminister als Geisel. Deshalb wendet sich der japanische Geheimdienst an Ryu Hayabusa, da die Terroristen nach ihm verlangen. Was auf den ersten Blick als Auftakt eines neuen Call of Duty durchgehen könnte, ist leider tatsächlich der Beginn der Story von Ninja Gaiden 3. Also begibt sich der Super-Shinobi in die Stadt an der Themse, um den Verbrechern zu zeigen, dass das Katana immer noch stärker ist als die AK-47. Beim Aufeinandertreffen mit dem Anführer der Gegner wird Ryu jedoch von ihm mit einem Fluch belegt, der das Drachenschwert mit Ryus rechtem Arm verschmilzt, woraufhin er fortan von den Seelen all jener, die durch seine Hand starben, geplagt wird. Das dient in erster Linie dem Wunsch von Entwickler Team Ninja den Protagonisten vom gesichtlosen Killer in einen Charakter mit menschlicheren Zügen zu verwandeln. Zu diesem Zweck nimmt Ryu auch regelmäßig seine Maske ab. Dabei war die Story in Ninja Gaiden noch nie eine Priorität, das wäre vielleicht auch in diesem Teil die bessere Entscheidung gewesen. Es wird krampfhaft versucht dem Spieler eine Bindung zu den Nebencharakteren aufzuzwingen, was leider völlig misslingt. Plottwists sind vorhersehbar, die Charaktere eindimensional und wirkliche Auswirkungen auf das Gameplay hat Ryus Fluch nicht, immer wieder kommt es jedoch zu langsam ablaufenden Sequenzen, in denen sein Arm zu schmerzen beginnt. Wenn euch diese Art von Szene schon in Metroid: Other M genervt hat, dann werden diese Passagen euch in Ninja Gaiden 3 erst recht auf die Palme bringen.

Das wäre so weit zu verschmerzen, wenn wenigstens noch beim Gameplay allem im Lot wäre. Leider hat Team Ninja versucht die Serie auch gegenüber Neulingen zu eröffnen, weshalb der Schwierigkeitsgrad deutlich heruntergeschraubt wurde. Wo Button-Mashern zuvor heftig auf die Finger geklopft wurde, könnt ihr in Ninja Gaiden 3 auch durch planloses Einhämmern auf die Angriffknöpfe in den unzähligen Gefechten bestehen und die Gegner mit den immer selben Moves bezwingen. Behaltet einfach nur grob euren Lebensbalken im Auge und drückt brav die eingeblendeten Buttons und schon läuft das Spiel wie geschmiert. Euch wird wenig Ansporn gegeben etwas Abwechslung in eure Kampftechnik zu bringen, da Ryu nur noch mit einem Katana, einem Bogen und einem unendlichen Vorrat an Shuriken ausgestattet ist. Muramasa und sein Shop, in dem ihr neue Waffen und Upgrades erwerben konntet, wurden wegrationalisiert und auf einen Cameo-Auftritt reduziert. Auch verfügt ihr nur noch über einen einzigen Ninpo-Zauber, für den ihr eure Ki-Leiste durch aufeinanderfolgende Kills auffüllen müsst. Einmal entfesselt vernichtet ein Drache aus Feuer alle Gegner auf dem Screen und stellt dabei noch eure Gesundheit wieder her, was ihr ansonsten nur an Speicherpunkten könnt. Da der Ki-Balken binnen weniger Sekunden wieder gefüllt ist, könnt ihr fast ständig diesen Move ausführen, was die ganze Chose noch einfacher macht.  Einzig die Bosskämpfe verlangen euch etwas mehr Geschick ab, darunter auch herrlich abgedrehte Fights gegen einen Dinosaur/Cyborg-Hybriden oder Evil Ryu (Nein, nicht der aus Street Fighter...). Oberbösewichte wie Kampfhubschrauber und Roboterspinnen werden jedoch zu oft recycelt und die Kämpfe bestehen zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil aus Quick Time Events, um das cineastische Flair zu erhöhen. A propos Recycling, einen Boss hat man komplett aus dem Vorgänger übernommen.

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