PlayNation Vorschau WildStar

WildStar - Eine lohnenswerte Investition?

Von Sarah Hübner - Vorschau vom 24.05.2014 - 17:56 Uhr
WildStar Screenshot

Mit WildStar präsentieren Carbine Studios und NCSOFT der Spielergemeinde ein MMORPG, welches zwar zum einen viele Innovationen mit sich bringt, zum anderen aber im Endeffekt doch ein paar Wünsche offen lässt. Im Rahmen der Testphasen habe ich mich ausführlich mit dem kunterbunten Sci-Fi-Spiel befasst und möchte euch die Vorteile und Potenziale präsentieren, inklusive einer Einschätzung, ob sich der Kauf lohnt. Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Fazit zur Beta!

Die Geschichten einer Welt, in 140 Zeichen

In WildStar wird die Geschichte des fiktiven Planeten Nexus beleuchtet, wegen dem sich die zwei Fraktionen der Verbannten und des Dominions fortwährend in die Haare kriegen. Die einen wollen nur einen ruhigen Ort zum Leben, den anderen gelüstet es nach den reichhaltigen Schätzen. Die Geschichte dieser explosiven Völker-Mischung sowie die Historie der Eldan – sozusagen die damaligen Ureinwohner von Nexus – sollte in kurze Questtexte gepackt werden, die maximal den Umfang eines Tweets vorweisen, anstatt den Spieler mit ausschweifenden Texten zu langweilen. So versprach es zumindest der Entwickler. Ich habe im Test die Zeichen pro Quest zwar nicht nachgezählt, jedoch kann ich ohne schlechtes Gewissen sagen, dass die Länge der Texte sich absolut in Grenzen gehalten hat und trotzdem die Aufgabe klar vermittelt werden konnte. Ein eindeutiger Pluspunkt also für alle Lesemuffel mit Hang zum Abzugsfinger, was das Wegklicken von Missionstexten angeht. Aber auch Wortfetischisten kommen in WildStar nicht zu kurz. Wer gern detailreich die komplette Story und alle Hintergründe zum Weltraumspektakel erfahren möchte, braucht sich nur die eingebaute Enzyklopädie in Form des galaktischen Archivs im Menü aufzurufen. Dort gibt es genügend Lesestoff, der nicht nur durch die Inhalte selbst besticht, sondern auch durch den unglaublich sympathischen Humor, der sich quer durch das ganze Spiel zieht.

Du willst es. Du bekommst es.

Nach dem Konzept des Standard-MMOGs bietet WildStar verschiedene Fraktionen, Rassen und Klassen bei der Charaktererstellung an. Was mir persönlich hierzu in der Closed Beta negativ auffiel, war, dass es kein Zurück mehr gab, sobald die Entscheidung für eins der beiden Völker gefallen ist und eine erneute Fraktionswahl blieb selbst mit einem neuen Pixelhelden verwehrt. Damit zeigte WildStar zwar ein besonderes und auch konsequentes Verhalten, denn der Spieler soll sich ganz seiner Rolle je nach Partei hingeben, aber im Endeffekt wollen doch die meisten auch mal einen Blick hinter die Kulissen des Gegners werfen und ein bisschen mit anderen Rassen herumexperimentieren. Da anscheinend auch der Entwickler den aufkommenden Unmut über den Fraktionszwang bemerkte, überdachte dieser sein Konzept kurzerhand in der Open Beta doch noch mal und bietet seitdem die Möglichkeit mit demselben Account Anhänger beider Fraktionen zu sein.

Solange wir noch bei der Charaktererstellung sind, möchte ich einen weiteren Punkt anbringen, der mir absolut positiv aufgefallen ist: die Pfade. In anderen MMOGs richten sich die Quests oft nur nach der Klasse oder Rolle des Spielers, sodass die Inhalte der Aufgaben eher auf eine Durchschnittsmenge heruntergebrochen werden, anstatt speziell in verschiedene Richtungen Content anzubieten. Was ich damit meine? Ihr als Spieler habt doch bestimmte Verhaltensmuster und Vorlieben, wenn ihr euch ein neues Schmuckstück zum Zocken zulegt. Der eine liebt es herumzuklettern und alles bis in die kleinste Ecke zu erkunden, dem nächsten ist genau das vollkommen egal und er will nur einen Gegner nach dem anderen plätten. Exakt diese Frage nach euren Lieblingsbeschäftigungen stellt euch WildStar in Form der Pfad-Auswahl, zusätzlich zur Klassenwahl, die sich in Kundschafter, Soldat, Siedler und Wissenschaftler unterteilt und einen nicht unbeachtlichen Teil eurer Missionen ausmacht. Ich persönlich favorisiere das Abkommen vom eigentlichen Questweg und werde in anderen MMOGs recht schnell vom Anblick unwegsamer Gebiete in den Bann gezogen. Zukünftig muss ich dieser Leidenschaft auf Nexus nicht mehr grundlos nachgehen, denn mit dem Kundschafter-Pfad werde ich für meinen Erkundungsdrang noch belohnt in Form von Erfolgen, Items und vielem mehr. Wenn euch das genauso fasziniert wie mich, solltet ihr auf jeden Fall einen Blick in das Spiel werfen.

Wunde Finger durch Button-Mashing

Die Standard-MMO-Zocker unter euch werden es von anderen Vertretern des Spielegenres gewöhnt sein, dass im Kampf bestimmte Fähigkeiten eingesetzt werden, die automatisch zielführend sind. Außerdem kennt wohl so gut wie jeder die beliebten Kontrollfähigkeiten, mit denen ihr Gegner zu euren persönlichen Marionetten macht. Um Zähneknirschen zu vermeiden, haken Carbine Studios genau an dieser Stelle ein. Ein dynamisches Kampfsystem erlaubt es den Spielern zu so gut wie jederzeit aus dem Wirkungsbereich der gegnerischen Attacken zu flüchten. Was ihr könnt, kann euer Kontrahent allerdings schon lange, wodurch die Kämpfe gerade mit fortschreitendem Level an Anspruch gewinnen. Im Bereich des Crowd-Controls verfügt WildStar sogar über eine innovative Neuerung, die meiner Meinung nach die Kampfmechaniken deutlich aufpoliert. Hat euer Feind euch mittels einer Kontrollfähigkeit zu Boden geschleudert, sodass sich der arme virtuelle Held erst mal wieder sammeln muss, könnt ihr diesen Prozess durch das Hämmern einer bestimmten angezeigten Taste verkürzen und so schneller wieder kampffähig sein. Die Auseinandersetzungen werden dadurch zur Mischung aus einer Art Quick-Time-Event und actionbasiertem Kampfsystem.

Molekül Hero und andere Minispiele

Ich behaupte nicht, dass WildStar das Questsystem komplett revolutioniert, aber durchaus hervorragende Ansätze konnte ich immer wieder entdecken. Zum einen wären da die Pfad-Missionen, die ich bereits in einem der vorherigen Abschnitte erwähnt habe. Für mich haben sie enorm zum Spielspaß beigetragen und brachten deutlich frischen Wind in die teilweise gewöhnlichen Quests, die mich als Postboten ausnutzten oder das Töten von bestimmten Gegnermengen forderten und so leider etwas Grind-Monotonie ins Spielgeschehen brachten. Letztere Aufgabe und deren Erfüllung wandelten die Entwickler in eine positive Richtung ab. In gewöhnlichen MMOGs werdet ihr mit einer bestimmten Anzahl an Mob-Opfern betraut, in WildStar allerdings mit Prozentsätzen. Das liegt daran, dass eure Gegner verschiedene Ränge und Stärken haben, sodass ihr für das Vermöbeln eines starken Rivalen mehr Prozente zur Erfüllung der Quest gutgeschrieben bekommt, als wenn ihr euch nur an Kleineren vergehen würdet. Ein meiner Meinung nach feiner Zug, der zur Herausforderung motiviert.

Bestandteil mancher Aufgaben sind Minispiele, die jede Menge Abwechslung in das Geschehen auf Nexus bringen. Bereits in den ersten Gebieten begegnete ich einer Art Guitar Hero auf Molekülbasis, einem Memory-Spiel zum Hacken von Computern und verschiedenen Puzzeln. Für meinen Geschmack könnte es ein paar mehr Mini Games dieser Art im Spiel geben, aber im Schnitt reicht die Menge durchaus vollkommen aus und ist meiner Meinung nach ein Pluspunkt für WildStar.

Was soll ich nur zuerst machen?

Sobald ihr in WildStar das erste Mal auf Nexus aufschlagt, werdet ihr sanft in das Spielgeschehen über ein Tutorial eingeführt. Der Questpfad ist linear und auf dem Arkship, dem Startgebiet, gibt es am Anfang auch recht wenig zu entdecken. Das ändert sich aber, sobald ihr den Spielbeginn gemeistert habt und in die freie Wildbahn entlassen werdet. Auf den Spieler warten dann tonnenweise Quests, Missionen, Herausforderungen, Events, Abenteuer und Schlachtzüge. Und das war nur das Repertoire des PvE-Bereichs. Wer es liebt, ständig auf Achse zu sein, für den ist die Aufgabenvielfalt das reinste Vergnügen. Solltet ihr allerdings eher zu der Sorte Spieler gehören, die lieber einen recht geradlinigen Spielverlauf favorisiert, so könnte euch das Meer an Quests schnell ersäufen. Ich würde mich persönlich als Zwischending der beiden Extreme betrachten und kann bestätigen, dass die Masse an Quests für mich kein Problem darstellte. Betretet ihr ein neues Gebiet zum ersten Mal, werdet ihr natürlich mit Aufgaben zu diesem überschüttet und müsst zusätzlich noch die jungfräuliche Karte erforschen. Mit steigendem Fortschritt sinkt allerdings auch der Berg an Aufgaben und man sieht doch recht schnell Licht am Ende des Tunnels. Für Durchschnittsspieler ist das PvE damit meiner Meinung nach mehr Top als Flop.

Aber da gibt es ja noch die PvP-Liebhaber unter euch, die sicher gern wissen möchten, ob sie ausreichend bedient werden. Auch euch steht eine relativ große Auswahl an Szenarien zur Verfügung. So warten auf alle Spieler, die gern ihren Freunden oder Feinden den Hintern versohlen wollen, Schlachtfelder, Kriegsbasen und Auseinandersetzungen in der offenen Welt. In nahezu jeder Teamstärke, angefangen beim Zwei-gegen-Zwei-Modus bis hin zur Schlacht mit 20 Personen, stehen euch die Duellierungsmöglichkeiten offen. Wo wir gerade bei Duellen sind: Diese gibt es auch im kleinen Rahmen für den atmosphärischen Mann-gegen-Mann-Kampf. Außerdem bietet euch der Entwickler noch Arenen an, in denen ihr euer Geschick präsentieren könnt.

Leben wie ein Gott auf Nexus

Jeder Spieler hat verschiedene Ansprüche, was die Nebenelemente in einem MMORPG angeht. Sehr beliebt sind zumeist das Crafting, Housing und allgemein die Individualisierung der eigenen Spielfigur. Damit sich keiner vernachlässigt fühlt, haben Carbine Studios und NCSOFT einfach mal das komplette Paket an Beschäftigungen neben den alltäglichen Quests in ihr MMORPG gepackt. Besonders positiv ist mir dabei das Housing aufgefallen. Als absoluter Freund der Ingame-Eigenheimeinrichtung wurde wirklich das gesamte Spektrum meiner Wünsche erfüllt. Bis ins kleinste Detail kann der Wohn- und Gartenbereich individualisiert werden, sodass ihr quasi zur Tine Wittler von Nexus mutiert. Von der kleinen qualmenden Teetasse bis hin zu kompletten Partyeinrichtungen steht euch ein unglaublich umfassendes Sortiment an Items zur Verfügung. Als wäre das noch nicht genug, seid ihr an keine Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen oder Oberflächen gebunden, sodass ihr Gott spielen könnt und es Licht werden lasst, genauso wie ihr aufziehende Stürme provozieren könnt oder einfach euer intergalaktisches Eigenheim unter den Meeresspiegel verfrachtet. Der einzige Haken an der Sache ist, dass die Individualisierungen doch schon relativ stark den Ingame-Geldbeutel belasten. Zukünftige WildStar-Spieler sollten also neben der Vorfreude auch einen Batzen Geduld und Ehrgeiz mit sich führen.

Dein Geld wollen wir nicht

Wer in den Genuss von WildStar kommen will, muss sich zuerst das Paket gegen einen Obolus von knapp 45 Euro zulegen, danach erwarten euch monatliche Kosten von rund 13 Euro. Aber das war eigentlich nur die halbe Wahrheit. NCSOFT und Carbine Studios präsentieren euch das C.R.E.D.D.-System, mit dem ihr nach dem Kauf der Box im Idealfall keinen Cent mehr für das Spiel ausgeben müsst. Das macht WildStar zu einem besonderen Leckerbissen für alle Spieler mit kleinem Geldbeutel und viel Freizeit. Wie das funktionieren soll, fragt ihr euch? Auf Nexus haben die Spieler über jede Menge Quests die Möglichkeit das Gewicht ihres Ingame-Geldbeutels deutlich zu erhöhen. Aber wie überall gilt: Ohne Fleiß kein Preis, denn das Goldscheffeln verlangt schon nach einem großen Batzen eurer Freizeit. Habt ihr allerdings erst mal genügend Cash beisammen, könnt ihr diesen, ohne einen Cent Echtgeld auszugeben, zum Erwerb weiterer Spielzeit nutzen und so die monatlichen Gebühren ausgleichen. Aber wo bekommt ihr den Freimonat her? Ganz einfach, von anderen Spielern. Wer kein Freund von Gold-Farming ist, sich aber trotzdem gern verschiedene teure Items mittels der Ingame-Währung zulegen möchte, kann Echtgeld-Monatsbeiträge für andere Spieler per Handel zahlen und bekommt von diesen wiederum eine dicke Gold-Überweisung auf das eigene Konto bei der Nexus-Bank. Damit dürfte das Bezahlmodell für viele unschlüssige Spieler zu einem klaren Pluspunkt werden, selbst wenn sie keine Verfechter des Abo-Modells sind.

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