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ArcheAge - Fokus auf Sandbox oder PvE? Unser Interview

Von Christian Liebert - Interview vom 21.07.2014 - 17:29 Uhr
ArcheAge Screenshot

Seit wenigen Tagen befindet sich ArcheAge im geschlossenen Beta-Test und wir hatten bereits vorab die Möglichkeit, Scott Hartsmann - dem CEO von Trion Worlds, einige Fragen zum Spiel zu stellen. Dabei haben wir auch etliche Dinge erfahren, was zum Beispiel die Auslegung (PvE oder Sandbox?) des MMOs bei Trion angeht, wie die lange Wartezeit zustande kam, wie man selbst zu den Free2Play-Einschränkungen steht und ob es wirklich so schlau ist, potenziell zahlungswillige Spieler zu verbannen. Bedenkt bitte, dass das Interview vor dem Start der Closed Beta angefertigt wurde und wir deshalb auf Fragen, die den aktuellen Content betreffen, leider verzichten mussten.

Hallo Scott, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, uns ein Interview zu geben. Zu allererst: Stelle dich und deine Aufgaben bei Trion Worlds doch bitte unserer Leserschaft vor.

"Ich bin Scott Hartsmann, Trion's CEO. ArcheAge ist der erste Titel, den wir veröffentlichen, der von einem Partner-Studio entwickelt wird. Ich selbst bin in diesem Fall als ausführender Produzent für ArcheAge tätig. Unser Team arbeitet täglich mit XLGAMES zusammen und ich unterstütze sie dabei.

Ich habe schon bei einer großen Anzahl Online-Games mitgewirkt. Egal ob als Game-Master, Designer, Techniker, Produzent oder als leitender Angestellter. Meine Aufgabe bei ArcheAge besteht darin, die Ausrichtung des Produkts zu gewährleisten und sicherzustellen, die Rahmenbedingungen für Kooperationen zu schaffen, die, nicht nur im Fall von ArcheAge, sondern auch mit zukünftigen Partnern, Erfolg haben.

Der Rest meines Jobs besteht aus typischer „Chefarbeit“. Ich sorge dafür, dass jeder hier seiner Arbeit nachgehen kann und alles hat, was er dafür braucht."

Heutzutage sind Sandbox-Spiele sehr erfolgreich und gerade ArcheAge gehört hier zu den meist erwarteten Spielen im MMORPG-Bereich. War das auch der Grund, warum ihr euch für den Titel entschieden habt?

"Wir waren schon von ArcheAge begeistert, lange bevor es offiziell in Korea erschienen ist. Eine Menge Gründe für unsere Entscheidung liegen im Kern-Design, in dem wir sehr viel Spaß sehen - als Entwickler, wie auch als Spieler. Und uns war klar, dass ArcheAge auch seine Fans in der westlichen Welt finden wird.

Die schiere Anzahl an Gameplay-Möglichkeiten, in einer Welt, in der Spieler direkten Einfluss auf andere Spieler haben können - das ist wirklich der Kern. Bau ein Haus, oder eine Farm, fliege oder steure ein Schiff, treibe Handel, töte oder entdecke - such es dir aus. Das alles wurde schon sehr lange nicht mehr auf AAA-Niveau umgesetzt und wir wissen, dass westliche Spieler begeistert sein werden, so eine offene Welt zu spielen."

Wie ist das für euch, so einen großen Titel zu veröffentlichen und euch dabei über die ebenso großen Hoffnungen der Community im Klaren zu sein?

"Großartig und ehrfürchtig zugleich. Es ist immer Nervenkitzel dabei, solche Türen das erste Mal zu öffnen und es erfüllt dich mit Ehre, wenn du realisierst, dass du die Aufgabe hast, das Bestmöglichste für die Spieler zu tun."

Vergangenen Freitag habt ihr die Closed Beta gestartet. ArcheAge war aber schon länger in der Early-Access-Alpha verfügbar. Habt ihr in der Zeit schon einige große Veränderungen, basierend auf dem Feedback der Community durchgeführt.

"So einige, allerdings waren viele Änderungen unumgänglich, um die Funktionalität zu gewährleisten und weniger Resultate des Feedbacks, das wir erhalten haben. Die Änderungen lassen sich grob in vier Hauptkategorien eingliedern:

1) Gameplay-Elemente, die Spieler betreffen

2) Mehrsprachiger / multikontinentaler Support für unsere Regionen: Wir betreiben zwei Datenzentren auf zwei Kontinenten und unterstützen drei Sprachen. Sowas braucht viel neue Software.

3) Geschäftsmodell-Anpassungen. Westliches Free2Play unterscheidet sich sehr vom asiatischen oder euroasiatischen.

4) Das technische Fundament hinter den Kulissen, welches häufig eigene Software benötigt

Manche Dinge sind nur Zusatzleistungen, andere werden für den Betrieb benötigt. Das verschlingt viel Zeit. Die schiere Menge an Änderungen ist der Grund, warum jede Region ihren eigenen Alpha- und Beta-Test benötigt. Egal wo das Spiel in der Welt veröffentlicht wird, es gibt immer viel zu lernen oder zu verbessern.

In Korea hat sich ArcheAge von einem Bezahl-MMO mit Sandbox-Fokus, zu einem kostenlosen MMORPG mit PvE-Fokus verändert. Wo liegt der Fokus für Trion Worlds, in PvE oder Sandbox?

"Sandbox. Dass ArcheAge sich soweit davon entfernt hatte, war für uns der Grund, auf Patch 1.0 als Startversion zu verzichten und direkt mit 1.2 einzusteigen, in der noch mal viele Sandbox-Inhalte verbessert und verstärkt wurden. Aber auch XLGAMES hatte nie die Absicht, sich soweit von der eigentlichen Ausrichtung des Spiels zu entfernen, wie es aufgefasst wurde."

Bezug nehmend auf die Liste der Account-Features hatte Trion Worlds bestätigt, dass 'Landerwerb' nur für Abonnenten und Stammspieler zur Verfügung stehen wird. Wie denkt ihr darüber, ein Haupt-Feature des Spiels Gratis-Usern nicht zugänglich zu machen?

"Dazu muss gesagt werden, dass Gratis-Spieler die Möglichkeit erhalten, über unser APEX-System (ähnlich der REX in Rift), Credits zu verdienen und Stammspieler zu werden. Damit möchte ich sagen, dass wir versuchen nur selten große Barrieren zu errichten. Es ist auch unser erstes Spiel, in dem käuflicher Grundbesitz als Gameplay-Element möglich ist.

In diesem besonderen Fall müssen wir auch mit Bottern oder anderen Betrügern rechnen. Mit Leuten, die kein Problem damit haben, sich täglich Tausende Accounts zu erstellen und so das Erlebnis sowie die Chance für ehrliche Spieler lausig machen. Schon während der Beta mussten wir rund 20.000 Accounts bannen. Wir haben hier andere Regeln als in Korea, wo jeder Account nur mit einer Personalausweis-Nummer erstellt werden kann.

Wir wollen den Spaß so 'offen' wie möglich halten und sicherstellen, dass 'echte Spieler' in der Lage sind, die Kernelemente von ArcheAge zu genießen."

Hat die russische oder die koreanische Version von ArcheAge dieselben Einschränkungen?

"Wir stehen in Verbindung mit einigen ArcheAge-Anbietern, aber diese sollten hier lieber für sich selbst sprechen."

Koreanische und westliche Spieler sind ja ein wenig unterschiedlich in ihrer Auffassung, was ein gutes MMORPG ausmacht. Asiatische Zocker mögen eher Grinding und das Töten von starken Gegnern, alleine für das Erlebnis es geschafft zu gaben, während westliche Spieler sehr viel Wert auf große Heldengeschichten legen, wie sie in Rift oder World of Warcraft erzählt werden. Werdet ihr bei ArcheAge andere Inhalte anbieten, um es mehr auf „unsere Leute“ abzustimmen?

"Ich glaube das Geheimnis von ArcheAge ist hierbei, dass die großen Geschichten von den Spielern selbst erzählt werden. Entweder im Zusammenspiel, oder gegeneinander. Auf jeden Fall wollen wir den Kern von ArcheAge beibehalten."

Trion Worlds hat ArcheAge ja bereits vor knapp 18 Monaten angekündigt. Was war der große Flaschenhals bei der Fertigstellung, die Lokalisierung?

"Ich verstehe diese Empfindung in Bezug auf das Timing der Ankündigung auf jeden Fall. Damals hatte die Übersetzung der frühen Inhalte auch bereits begonnen, aber die technische Arbeit konnte erst letzten November beginnen, genauso wie alle anderen Arbeiten in Kooperationen mit XLGAMES. Wir mussten viel eigene Software erstellen, damit wir unsere Version umsetzen konnten und wir standen dazu noch in der Warteschlange hinter Russland, die ihre Fassung zuvor veröffentlichen mussten. In den letzten sechs Monaten ging die Entwicklung dann aber zügig voran."

Ihr habt ja bereits schon große Erfahrung im Umsetzen von kostenlosen Online-Spielen. Ist das die beste Voraussetzung, um ArcheAge zu einem Erfolg zu machen?

"Ich glaube fest daran, dass unser hybrides Modell das schafft. Es hat die geringsten Barrieren für Anfänger, zusammen mit verschiedenen Wegen Credits zu erhalten, oder sogar Geld auszugeben. In vielerlei Hinsicht ist es das Beste aus beiden Welten, quasi."

In den letzten Monaten hat Trion Worlds seine „Null-Toleranz-Politik“ populär gemacht, wodurch nicht nur Betrüger, sondern auch 'Flamer' und Konsorten gebannt wurden. Über 20.000 Accounts bisher. Ist es nicht gefährlich, so umfangreich Spieler zu verbannen, die vielleicht sogar Geld ausgeben würden?

"Ich denke, es ist wichtiger, eine zufriedene Community zu haben. Da muss man die faulen Eier eben aussortieren."

Zum Schluss noch ein Blick in Zukunft: Wenn ArcheAge ein Erfolg wird, können wir uns dann auf weitere asiatische MMOs, wie zum Beispiel auf Black Desert, Bless oder Monster Hunter Online bei Trion Worlds freuen?

"Wir werden von vielen Unternehmen angeschrieben, die AAA-Games in Asien entwickeln. Für gewöhnlich schauen wir uns davon auch eine Handvoll jeden Monat an und halten ein Auge für potenzielle Partner offen. Wir sind auf jeden Fall daran interessiert, uns mit den Besten zusammenzutun und mehr asiatische Spiele auch im Westen online zu bringen."

Vielen Dank für das Interview.

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