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WildStar - Vom Underdog zum gefeierten Sieger

Von Christian Liebert - Special vom 18.06.2014 - 16:00 Uhr
WildStar Screenshot

Damit hätte wohl vor einem Jahr noch niemand gerechnet: Während The Elder Scrolls Online hinter vorgehaltener Hand resigniert, feiert WildStar seinen Siegeszug in der MMO-Welt. Obwohl erst seit wenigen Wochen offiziell erschienen, kann man schon jetzt behaupten, dass die Entwickler hinter WildStar vieles absolut richtig gemacht haben. Die glückliche Kombination aus Humor, klassischen Inhalten und viel Liebe zum Detail hat WildStar zu einem dieser wenigen Lichtblicke bei den Online-Rollenspielen gemacht, auf die wir schon lange gewartet haben. Dabei bringt das MMORPG von Carbine Studios und NCSOFT wenig Neues, setzt sich aber mit einer zu Ende gedachten Idee durch. Dies soll nun weniger ein Testbericht, als ein Liebeslied an WildStar sein, das sich wie Sylvester Stallone als Rocky vom Underdog zum Champion entwickelt hat.

Wer hätte das gedacht?

Vor knapp drei Jahren, 2011 also, wurde WildStar auf der gamescom in Köln offiziell von NCSOFT, die damals eigentlich noch voll in der Entwicklung von Guild Wars 2 steckten, enthüllt. Auch wenn erstes Gameplay seiner Zeit schon einen guten Eindruck hinterlassen konnte, hätte wohl niemand gedacht, dass sich dieses MMO so prächtig entwickeln würde. Exakt zwei große Titel machten sich dieses Jahr auf, als Newcomer auf dem mittlerweile eher gemäßigten MMORPG-Markt aufzuschlagen. Während The Elder Scrolls Online viele Monate als der Favorit und Heilbringer des Genres schlechthin galt, war es doch WildStar, das letztendlich wirklich einschlagen konnte. Die Frage aller Fragen ist dabei nun, wie WildStar dieses Hexenwerk angestellt hat? Seit World of Warcraft versuchen jedes Jahr neue ambitionierte Projekte, sich auf diesem Feld zu etablieren - meist ohne Erfolg. Dabei sind schon so gut wie alle Register gezogen wurden. Dynamische Kämpfe, Triple-A-Grafik, komplett vertonte Dialoge als Filmsequenzen, innovative Quests und Massen-PvP. Egal womit man es probiert hat, oft konnte man damit nicht die gewünschten Wellen schlagen. WildStar hat es aber geschafft und dabei rüttelt das Onlinespiel gar nicht mal so sehr am Evolutionsbaum. Eher verlässt man sich auf Altbewährtes und macht grade das besonders gut. Liebe zum Detail eben.

Natürlich fehlen aktuelle Zahlen, um hier wirklich von einem belegten Erfolg sprechen zu können, aber feststeht: WildStar macht schon jetzt vielen verdammt viel Spaß und dieser kommt nicht von irgendwo her. Im Grunde präsentiert das MMO nämlich genau das, was wir schon kennen: Standardisierte Quests erledigen, dessen Texte man nach einer Weile schon kaum noch liest, sein Handwerk vorantreiben, sich beim Housing in der Gestaltung seines Eigenheims verlieren, böse Buben in diversen Dungeons verkloppen oder sich im PvP zusammen mit anderen Spielern auf die Mütze geben. Grob zusammengerissen lockt uns WildStar rein von der Aufmachung kaum aus der Ecke hervor. Könnte man zumindest meinen, aber in Wahrheit motiviert das Spielen ungemein. Warum? Weil man einfach merkt, dass diese ganze Welt, der Planet Nexus, in sich geschlossen funktioniert. Kein generisches Fertigteilhaus, sondern ein von grundauf durchdachtes Gebilde, an dem jeder Stein akkurat platziert wurde. Dazu gesellen sich noch einige inhaltliche Neuerungen, wie die Pfade, die euch zusätzliche PvE-Aufgaben in der Spielwelt geben, oder dynamische Abenteuer-Dungeons, die dank multipler Entscheidungen zum Wiederspielen einladen. Das sind natürlich Features, um sich von der groben Masse abzuheben, aber wohl nicht der Hauptgrund für den Erfolg von WildStar.

Die Spielwelt spricht einen an

Mehr als die Hälfte des Wohlfühlens in einem Online-Rollenspiel macht der Zuspruch der Spielwelt aus. Wer sich mit seiner Umgebung nicht identifizieren kann, wird auch nicht lange Spaß an ihr haben oder ein Teil von ihr sein wollen. Exakt hier hat Carbine Studios alles richtig gemacht. Nicht nur, dass die im Comic-Look gehaltene Grafik sehr ansprechend ist. Der Planet Nexus selbst, auf dem man nun mal die meiste Zeit seines virtuellen Alltags im MMO verbringt, lädt mit seiner stimmigen Atmosphäre einfach zum Verweilen ein. Da könnte Faust glatt seine Seele an Mephisto verlieren, wenn er diese Landschaften vor Augen gehabt hätte. Es ist die bereits erwähnte Liebe zum Detail. Der Wille der Entwickler, sich wirklich Mühe zu geben, wenn es um die Gestaltung ihres Spiels geht. Kein Fleck sieht verbraucht aus, jede Ecke wartet mit neuen optischen Genüssen auf. Dazu kommt einem der Humor sehr gelegen. Der Clown muss wohl ziemlich groß gewesen sein, den die Entwickler da zum Frühstück gegessen haben. Auch wenn WildStar keine Comedy ist, wissen die Designer ständig einen Schmunzler abzuringen. Dabei überspannen sie den Bogen aber in keiner Weise. Die Handlung rund um die Besiedlung des neu entdeckten Planeten ist weiterhin ernsthafter Natur und der Kampf zwischen den Verbannten und dem Dominion tobt in brachialer Härte. Der Spagat zwischen Witz sowie nüchterner Fantasy gelingt und schützt WildStar auch davor, als platter Klamauk nach wenigen Tagen uninteressant zu werden.

Auch wenn die Inhalte und Features an sich so keine Revolution des Genres darstellen, so sind sie doch eins: vertraut und geliebt. Mittlerweile dürfte feststehen, dass der Schlüssel zum Erfolg eines Spiels nicht in der Menge an neuen Ideen liegt, sondern eher darin, wie man den Spielern das gibt, was sie wollen: Spaß am Spiel. Grundsätzlich bedient sich auch WildStar vielen EverQuest- / WoW-Standards, die für den Otto-Normal-MMOler einfach Gewohnheit sind. Die Kunst liegt nun darin, diese Stereotypen gekonnt umzusetzen. Dabei verlieren viele Entwickler das Gleichgewicht und gestalten zwar total moderne Features, die aber eigentlich viel zu neu für Genre-Konservative und damit einfach ungewohnt sind. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Quests in The Secret World. Eingeleitet von einer vertonten Filmsequenz sind sie ein echter Hingucker, lassen aber das Gruppenspiel schleifen und bremsen am Ende nur den Fortschritt aus, weil man sich eben voll darauf konzentrieren muss. Bei WildStar läuft alles praktisch automatisch. Während wir ein Gebiet erkunden, erledigen wir die vielen typischen Aufgaben im Vorbeigehen. Dabei können wir auch mal kurz eine Runde Grinden einlegen oder uns auf eine der vielen Nebenaufgaben, wie zum Beispiel die Herausforderungen aka „Töte x Gegner in so viel Zeit“ oder unseren Pfaden, hingeben. Alles wirkt ungezwungen, wir verlieren nie den Faden und kommen doch vorwärts. Selbiges Bild auch in Sachen Housing. Von der Sache her kein neues Feature, aber eben so stimmig umgesetzt, dass die Gestaltung des Eigenheims samt Garten gerne mal einen ganzen Spieltag in Anspruch nimmt.

Ein wichtiger Fakt ist aber nicht nur die Umgebung, sondern auch ihre Geschichte. Wir alle kennen diese bösen Götter, die auf die Welt zurückkehren und uns damit nerven, uns versklaven zu wollen. Wir sind dann der Auserwählte, ein Held, der sich dem Übel entgegenstellt und alle retten soll. *Gähn* Das haben wir nun wirklich schon zu oft gehört. Die Story von WildStar hingegen ist vom Entdeckerdrang geprägt. Ein neuer Planet und seine Geheimnisse. Das motiviert viel mehr täglich einzuloggen, als so eine abgedroschene Heldensage. Es ist der Aufbruch ins Ungewisse, dieses sich nicht zu übermächtig fühlen, was unseren Charakter so vertraut erscheinen lässt. So wird jedes neue Gebiet zu einem Erlebnis, weil wir eben das Gefühl haben den Planet Nexus immer tiefer zu erkunden und zu erleben.

Das Geheimnis von WildStar

Was ist nun also das Geheimnis von WildStar? Ganz einfach: Es spricht an. Wirklich Neues gibt es kaum, was aber eben nicht ins Gewicht fällt, sondern positiv in die Karten spielt. Man fühlt sich praktisch sofort heimisch und hat nicht das Gefühl, erst wieder die Schulbank drücken zu müssen, bis man die Spielabläufe verstanden hat. Wer zuvor bereits mindestens ein MMO auf dem Buckel hatte, kommt ohne Probleme ins Spiel hinein und erfreut sich an der fremden und doch irgendwie vertrauten Welt. Während viele Entwickler verzweifelt nach der ultimativen Revolution des Genres forschen, um ein fettes Feature auf die Verpackung schreiben zu können, hat sich Carbine Studios vor allem den Spaß der Spieler vorgenommen, so kommt es zumindest rüber. WildStar ist sicherlich kein MMO für Einsteiger, überzeugt aber damit, dass mit viel Liebe zum Detail, einer gehörigen Portion Humor und einer nicht ausgelutschten Hintergrundgeschichte ein stimmiges MMO geschaffen wurde, in der man sich wohl fühlt. Dieses winzige Element genannt: „Spielspaß“ überzeugte ein ganzes Genre und seine Fans, aus diesem Underdog einen echten Champion zu machen.

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